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22.5.2014 : 18:20 : +0200

Uwe Kröger ABSOLUT

Welchem deutschsprachigen Künstler — insbesondere im Bereich Theater und Musical — ist es schon vergönnt, eine hochprofessionelle Aufzeichnung seines Konzertes zu erleben und sie auf dem allgemeinen Musikmarkt vertreiben zu können. Musiker, Tänzer, Sänger, Techniker, Beleuchter – alle wollen bei einer Aufzeichnung gefragt und bezahlt werden. Deshalb gibt es kaum Musicals auf DVD und so gut wie keine Konzerte. Uwe Kröger ist das Seltene gemeinsam mit dem Verlag Fechter Management und HitSquad Records gelungen. Das erste Konzert seiner Tournee 'Absolut Uwe', zugleich die Gala anlässlich seines 45. Geburtstags, wurde am 4. Dezember 2009 in der Wiener Stadthalle, Halle F, mit zahlreichen Kameras aufgenommen und ist seit Anfang April 2010 im Handel erhältlich.

Bis auf die speziellen Weihnachtslieder und das spontane, sehr persönliche Geburtstagsständchen der langjährigen Bühnenpartnerin Pia Douwes, das verständlicherweise nichts auf einer offizielle DVD zu suchen hat, sind alle 26 Titel des Abends zu sehen. Pe Werners deutsche Fassung von My Grown Up Christmas ListMeine Herzwunschliste, die Uwe Kröger ergriffen, nicht hinter einem Weihnachtspäckchenberg, sondern inmitten eines Blumenmeeres, sang, wurde neu eingespielt und findet sich im Bonus-Teil, der außerdem ein persönliches Fotoalbum mit privaten und offiziellen Bildern aus dem Werdegang des Künstlers enthält und speziell für die Fans von Uwe Kröger gedacht ist. Zudem enthält das beiliegende Booklet außer allen wichtigen Informationen über Macher und Mitwirkende zahlreiche kleinformatige Impressionen des Abends.

Uwe Kröger auf einem ganz besonderen "Schaukelpferd"

Der reine Konzertteil dagegen wendet sich an ein größeres Publikum, das Uwe Kröger auf dieser DVD als Sänger, Entertainer und Tänzer in einer runden Show erleben kann, die Werner Sobotka inszeniert hat. Der Zuschauer erfährt etwas aus der Kindheit des Künstlers, von Gesangsambitionen auf dem Schaukelpferd (Born Free), von seinen ersten Schritten auf der Bühne des Kurhauses in Hamm mit dem 'Hair'-Song Aquarius, er hört Musik-Beispiele aus dessen Jugend und davon, wie der Film 'Fame' Uwe Kröger zu seinem Werdegang inspirierte. Dieser kennt beide Seiten des Ruhms: die Situation des mitreißenden Ensemble-Songs Fame – gemeinsame Arbeit an einem Traum, aber auch Momente des Alleinseins, in denen man sich wünscht, das jemand sagt: Is It Okay, If I Call You Mine. Einmal ohne das 10-köpfige Orchester unter Leitung von Herwig Gratzer, begleitet sich der Künstler bei diesem leisen Lied selbst auf der Gitarre. Mit 'Starlight Express' geht es weiter, dem Bochumer Musical, mit dem die Karriere des gebürtigen Westfalen ihren Anfang nahm.

Uwe Kröger & Pia Douwes: Wenn ich tanzen will

Einige Teile der Zwischenmoderation wurden herausgeschnitten und Übergänge geschaffen. Leider wurde auch der Teil geschnitten, in dem der Gastgeber mit der ihm eigenen humorvollen Selbstironie den Titel 'Absolut Uwe' als Ergebnis seines häufigen Sprachgebrauchs des Wörtchens "absolut" erklärt, zumal Uwe Kröger im Laufe der DVD mehrfach mit diesem Ausdruck spielt. Auch zwischen Uwe Krögers Geschichte vom orangefarbenen Koffer und dem dramatischen Lied Stern fehlt eine moderierte Überleitung: Uwe Kröger hatte auf seinen Reisen einige skurrile Erlebnisse mit Koffern, die nicht am Bestimmungsort ankamen. Dies nahm er zum Anlass, einen orangefarbenen Koffer als 'Dingsymbol' in seine Konzerttournee einzubauen und auch das reich bebilderte Programmheft wurde mit dem Koffermotiv gestaltet, das für ein Künstlerleben zwischen London, Amsterdam, Wien, Berlin, Essen oder Stuttgart steht. Während der Show nun stand eben dieser Koffer auch auf der Bühne. Der Bruch zum Lied Stern aus 'Les Misérables', das der Darsteller als 'Javert' in Berlin sang, wirkt deshalb etwas hart. Ein Teil der Anmoderation, die auf Uwe Krögers Musicalstudium in Berlin und sein erstes Engagement in Wien verwies, wäre als Übergang schön gewesen.

In Wien lernte der Gastgeber des Abends auch Pia Douwes kennen, die zu den guten Freunden seines Lebensweges gehört. Mit dem Duett Time of My Life heißt er sie als Ehrengast der Gala Willkommen. Ihr musikalisches Geburtstagsgeschenk für Uwe Kröger ist dessen Lieblingslied, Erinnerung aus 'Cats'. Seit 'Les Misérables' in den Niederlanden standen beide Künstler immer wieder gemeinsam auf der Bühne, doch am meisten verbindet sie das erfolgreichste deutschsprachige Musical 'Elisabeth', dem ein Block mit den drei Liedern: Wenn ich tanzen will, Ich gehör' nur mir und Der letzte Tanz gewidmet ist. Die Präsentation des Letzteren ist ein Beispiel für die visuellen Choreographien von Simon Eichenberger, die er gemeinsam mit dem Ensemble gekonnt umsetzt. So begleitet er mit großer Aufmerksamkeit für die Solisten Pia Douwes' Auftritt von All that Jazz, Uwe Krögers Opener Ich bin nur für die Liebe da und sein Solo Der letzte Tanz. Gemeinsam mit den Solisten schafft er zudem auch lebendige Bilder wie bei Goldfinger (Uwe Kröger), das den "Kiss of Death" geradezu visualisiert und Diamonds Are Forever (Pia Douwes).

Uwe Kröger und das Tanzensemble

Bei All I Want, das als Boy-Group Hit inszeniert und choreographiert ist, und vor allem in Dancin Fool kommt der Gastgeber selbst zum Tanzen, begeisternd und mit sichtlichem Spaß an der Sache. Deshalb ist es schade, dass die Schnitte hier nahezu alle 3 Sekunden wechseln und oft nur die Füße, nicht der ganze Tänzer zu sehen ist. Auch eine Totale fehlt, in der alle Tänzer zu sehen sind.

Im zweiten Teil bringt Uwe Kröger vor allem Filmmusik wie die James-Bond-Songs, die er mit großen Musicalnummern vergleicht, und gefühlvolle Balladen wie Unchained Melody aus 'Ghost' und Wind Beneath My Wings aus 'Beaches', sein Dankeschön an das treue Publikum.
Ein besonderes Highlight bildet der emotionale Vortrag von Vater und Sohn, ein Lied, das der Künstler noch nie gesungen hat und dessen Text seine schwierige Vater-Sohn-Beziehung zum Ausdruck bringt. Hier wurde die berührende und sehr menschliche Anmoderation nicht geschnitten.

Von den großen Erfolgen Uwe Krögers sind noch die Musik der Nacht und das große Titel-Duett aus 'Das Phantom der Oper' mit dem Gastgeber und seiner 'Christine', Pia Douwes sowie Sweet Transvestite als ganz spezielle Zugabe auf der DVD enthalten. Man vermisst Musical-Hits u.a. aus '3 Musketiere', 'Die Schöne und das Biest', 'Rudolf – Affaire Mayerling', 'Dracula', vor allem aber aus 'Rebecca' und 'The Wild Party', insbesondere da Uwe Kröger in den beiden letztgenannten wie in 'Elisabeth' Hauptrollen prägte und Werner Sobotka bei der hochgelobten deutschsprachigen Erstaufführung von 'The Wild Party' in Amstetten ebenfalls Regie führte. Möglicherweise eine Anregung für eine weitere DVD, die das intensive Schaffen des Künstlers dokumentiert.

Dennoch kann selbst diese exzellente Aufnahme, die auch klanglich besticht, das Live-Erlebnis eines Konzertes nicht ersetzen. Live ist eben live.

(Barbara Kern)

 

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