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22.5.2014 : 18:20 : +0200

Ein feiner Live-Mitschnitt für den guten Zweck

Am 16. Oktober 2009 fand im Palas der Wartburg das Benefizkonzert 'Musical Meets Jazz' zugunsten des Hospiz' 'Sankt Elisabeth' in Eisenach statt. Die Konzert-DVD ist ein spontaner Mitschnitt mit 28 Titeln des Konzerts, um dem guten Zweck weiteres Geld zukommen zu lassen. Einfach und geschmackvoll empfängt einen das Intro mit einem arrangierten Foto des Programmheftes. Musikalisch stimmt Night And Day, ein Highlight der Aufnahme, mit Armin Kahl und der Wolf-Friedrich-BigBand Jena, den Zuschauer ein.

Wolf-Friedrich BigBand Jena und Sylvia Weisheit
Chris Murray und Armin Kahl mit Ich bin ich
Armin Kahl, Constanze Eschrig, Chris Murray mit Verwirrspiel

Der Titel 'Musical Meets Jazz' ist wörtlich zu nehmen: Bekannte Solisten aus der Musical-Szene bringen gemeinsam mit der BigBand Jazz-Titel wie Fly Me To the Moon (Chris Murray), I Get A Kick Out Of You (Constanze Eschrig) oder Night And Day (Armin Kahl) auf die Bühne. Die Wolf-Friedrich BigBand ist solistisch mit einem James Bond Theme, A String Of Pearl, Lullaby Of Birdland und Just Friends zu hören. Eine besondere Einlage bilden die beiden Auftritte der zur BigBand gehörigen Sängerin Sylvia Weisheit, die Temperament und eine black voice-gefärbte Stimme mitbringt. Ihre Interpretation des Aretha Franklin-Hits Respect verdient eben diesen und bringt eine weitere Klangfarbe in das vielseitige Konzert, das im Musical-Bereich Titel der Engagements beider Künstler aus 'Jesus Christ Superstar', 'Jekyll & Hyde', 'Evita', 'Tarzan', 'Scarlet Pimpernel' und natürlich 'Elisabeth – Die Legende einer Heiligen' enthält, aber beispielsweise auch seltene Songs aus 'Der Mann von La Mancha' von Mitch Leigh, Dale Wasserman und Joe Darion, Maury Yestons 'Titanic', Jason Robert Browns 'Parade', Stephen Schwartz' 'Wicked – Die Hexen von Oz', Cole Porters 'Gay Divorce' und 'Anything Goes' oder Kurt Weills 'Street Scene'. Chris Murray tritt in seinen dramatischen Paraderollen als Chauvelin (Scarlet Pimpernel), Konrad von Marburg (Elisabeth – Die Legende einer Heiligen), Jekyll/Hyde (Jekyll & Hyde), Jesus (Jesus Chris Superstar) auf, außerdem auch als Don Quijote (Der Mann von La Mancha) und Phantom (Das Phantom der Oper). Er hat seine Rollen zutiefst verinnerlicht und interpretiert sie mit Leidenschaft und sprechender Gestik. Sein Markenzeichen ist ein starkes Stimmvibrato, das er auf dieser Aufnahme äußerst gezielt einsetzt. In dem Duett Ich bin ich aus 'Der Mann von La Mancha' zwischen Don Quijote und Sancho Pansa wie auch in dem Terzett aus 'Scarlet Pimpernel' harmonieren Chris Murray und Armin Kahl, mit seiner klaren hohen Tenorstimme, wunderbar miteinander. Solistisch bringt Armin Kahl folgende Figuren auf die Bühne: Tarzan (Tarzan) mit einem äußert berührenden Wer ich wirklich bin, außerdem Magaldi (Evita), den Heizer Barrett (Titanic), einen jungen konföderierten Soldaten (Parade), Guy Holden (mit Night And Day aus 'Gay Divorce'), Richie (A Chorus Line) und Scarlet Pimpernel aus dem gleichnamigen Musical. Die Frauenrollen singt Constanze Eschrig, die bereits in 'Jesus Christ Superstar' mitwirkte und Sally Bowles in 'Cabaret' spielte. Mit viel Gefühl bringt sie eine Solo-Version von For Good aus Wicked zu Gehör. Etwas zittrig klingt ihre Stimme in den Höhen im 'Jekyll & Hyde'-Duett mit Chris Murray Nimm mich wie ich bin und in dem 'Tarzan'-Duett Dir gehört mein Herz, wo sich Armin Kahl hörbar zurücknimmt. In dem Terzett Verwirrspiel aus 'Scarlet Pimpernel' dagegen zeigt sie sich den Herren durchaus gewachsen.

Das Innere des mittelalterlichen Saalbaus mit Malerei und einem der Leuchter

Armin Kahl und Chris Murray standen beide auch in Hauptrollen im Musical 'Elisabeth – die Legende einer Heiligen' auf der Bühne, das drei Jahre erfolgreich vor Ort spielte. Sie gaben ihr Konzert wahrlich in heiligen Hallen, im Palas der Wartburg Eisenach. Die Wartburg ist der Ort, an dem die ungarische Prinzessin Elisabeth, die uns heute als Heilige Elisabeth von Thüringen bekannt ist, aufwuchs und den Thüringischen Fürsten Ludwig heiratete. Der historische Schauplatz ist auf der DVD auch in einigen schönen Schwenks zu bewundern, mit seiner holzgetäfelten Decke, dem reich ausgemalten Inneren und den großen Leuchtern, die im Mittelalter die paradiesische Stadt Jerusalem abbildeten.

Die Solisten wurden teils von der gut aufgestellten Wolf-Friedrich BigBand Jena unter Leitung von Matthias Mark, teils ganz pur von Hannes Schauz (Langjähriger musikalischer Leiter von 'Wicked' Stuttgart und Mitbegründer des New World Musical Ensembles) am Klavier, begleitet. In der Konzertaufnahme stehen die Titel im Vordergrund, so ist der Applaus nur angeschnitten und manchmal wird auch direkt überblendet, so dass die Lieder schon einmal direkt in einander übergehen, was bei den schnellen Themenwechseln zwischen Dramatik wie bei Das Ende aller Zeiten zu dem leichten Surprise aus 'A Chorus Line' zuweilen etwas irritiert. Der begrenzten DVD-Kapazität – eine zweite DVD hätte zusätzliche Kosten verursacht – fielen auch einige Lieder zum Opfer, u.a. ein Auftritt von Armin Kahl als Radames aus seinem 'Aida'-Engagement. Leider fehlen in der Titelliste auf der Rückseite des Covers, die das Booklet ersetzt, einige Angaben zu den Musicals, aus denen die Titel stammen. Auch in den Einblendungen vor jedem Titel, die eine Zuordnung deutlich erleichtern, kommen diese nicht vor. Gefilmt wurde mit einer Kamera und der Ton wurde, wiederum damit mehr Geld für den guten Zweck bleibt, nicht extra überarbeitet, was allenfalls durch ein leises Knistern an ein bis zwei Stellen hörbar ist. Bild und Ton sind absolut sauber aufgenommen und die Soli der Wolf-Friedrich BigBand Jena klingen satt und differenziert. Das Zusammenspiel mit den Sängern funktioniert reibungslos. Das gilt für die Band und noch mehr für die subtilen Gespräche zwischen den Solisten und Pianist Hannes Schauz. Hier ist vor allem Armin Kahls Interpretation von Magaldis On this Night Of A Thousand Stars aus 'Evita' hervorzuheben. Auch die leisen Teile in Chris Murrays Das Mädchen von früher (Scarlet Pimpernel), Armin Kahls Old Red Hills of Home (Parade) und Wer ich wirklich bin (Tarzan) oder Chris Murrays Das Ende aller Zeiten (Elisabeth – Die Legende einer Heiligen) sind gut zu verstehen.

Die Firma Magic Romance hat in Zusammenarbeit mit Jan Hameyer (Videoschnitt) und Sven Rubow (Tonaufnahme) eine kleine, aber feine Konzertaufnahme produziert, deren Erlös zu einem Großteil dem Hospiz 'Sankt Elisabeth' zu Gute kommt. Vielseitig zwischen Musical und Jazz spielend, wird sie zugleich Liebhabern des Jazz und des Musical gefallen. Die DVD ist bei Sound of Music erhältlich. Natürlich werden sich auch alle freuen, die gerne eine Erinnerung an das Benefizkonzert auf der Wartburg zu Hause hätten. So etwas sollte es viel öfter geben.

(Barbara Kern)

 

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