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Deutsch
22.5.2014 : 18:26 : +0200
© Opernhaus Magdeburg / Hans-Ludwig Böhme

Fakten

Veranstaltungsort: Opernhaus Magdeburg
Premiere: 18. April 2009
Aufführungstermine 2011: MÄRZ: Do 31. - 19:30 Uhr
APRIL: Sa 9. / Fr 22. - 19:30 Uhr
MAI: So 1. - 16:00 Uhr / So 8. - 18:00 Uhr / Sa 28. - 19:30 Uhr
JUNI: Do 2. - 19:30 Uhr / So 5. - 18:00 Uhr
Aufführungstermine 2010: JANUAR: Sa 2. – 19:30 Uhr / So 24. - 16:00 Uhr
FEBRUAR: So 14. – 16:00 Uhr
Aufführungstermine 2009: OKTOBER: Fr 2. - 19:30 Uhr / So 11. / Sa 31. - 16:00 Uhr
NOVEMBER: So 8. – 16:00 Uhr
DEZEMBER: Di 29. – 19:30 Uhr
Dauer der Vorstellung: 2 Stunden 30 Minuten

Kurzzusammenfassung

"Jekyll & Hyde" erzählt von dem jungen aufstrebenden Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll, der im London des späten 19. Jahrhunderts mit ansehen muss, wie sein Vater dem Wahnsinn verfällt und in der Psychatrie stirbt. Wahnsinn ensteht seiner Ansicht nach, weil das Böse im Menschen über das Gute siegt. Fanatisch sucht er nach einem Weg, Gut und Böse zu trennen. Dann, so glaubt Dr. Jekyll, ist dem Bösen beizukommen. Seine Kollegen an der Universität und auch sein zukünftiger Schwiegervater halten nichts von dieser Vision. In seiner überheblichen Forschungsgläubigkeit plant Dr. Jekyll, alle in einem Selbstversuch zu überzeugen. Für sein Experiment nimmt er eine Droge zu sich, die in ihm ungeahnte zerstörerische Kräfte freisetzt, die der Wissenschaftler nicht kontrollieren kann. Dr. Jekyll wird zu einem anderen Menschen mit rücksichtslosem brutalen Wesen. Diese Seite gewinnt immer mehr Macht über ihn. Während Jekyll sich immer weiter zurückzieht, lebt Hyde die verborgenen Neigungen aus. Er mordet. Seine Opfer sind vor allem scheinheilige Charaktere, die nur vorgeben, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft zu sein, während sie ein dunkles Geheimnis verbergen. Jekyll indes wird  seiner Verlobten Lisa immer fremder. Trotzdem verteidigt sie ihn gegen alle Angriffe ihres Vaters. Lisa traut sich nicht, in Jekylls Labor einzudringen, aber sie spürt, dass etwas nicht stimmt. Dr. Jekyll verlässt sein Labor kaum noch. Als er es doch einmal tut, lernt er die Prostituierte Lucy kennen, die sich gegen ihren Willen in ihn verliebt. Aber auch Hyde erfährt von Lucys Existenz und lebt bei ihr als Kunde seine brutalen Neigungen aus. Hyde schlägt Lucy und Jekyll versorgt ihre Wunden. Endlich begreift Jekyll, dass er die Kontrolle über sein anderes Ich verloren hat. Er gibt Lucy Geld, damit sie sich woanders ein neues Leben aufbauen kann, doch diese zögert zu lange und Hyde ermordet auch sie. In seinen wenigen klaren Minuten fasst Jekyll den Entschluss, Hyde zu zerstören, auch wenn er dabei selbst umkommt. Doch am Ende ist es Lisa, die die Kraft besitzt, in Hyde die letzten Kräfte des guten Jekylls zu mobilisieren. Damit macht sie Jekyll fähig, sich selbst zu töten und damit Jekyll von Hyde zu befreien.

Historie

  • Grundlage: Der Roman 'The Strange Case of Dr. Jekyll & Mr. Hyde' von Robert Louis Stevenson<br>(geschrieben 1885, veröffentlicht am 25.01.1886)
  • 1887: Erste Bühnenadaption von Thomas Russell Sullivan auf Tour durch Großbritannien (UK)
  • 4. August 1888: Premiere im Lyceum Theatre, London. Richard Mansfield spielte auf Einladung von Henry Irving die Doppelrolle von 'Dr. Henry Jekyll' und 'Mr. Hyde'
  • Mai 1990: Welturaufführung des Musicals 'Jekyll & Hyde' im Alley Theatre, Houston/Texas (USA)     
  • 28. April 1997: Premiere am Broadway im Plymouth Theatre, New York (USA)
  • Seit 1920: zahlreiche Verfilmungen des Themas
  • 26. September 1997: Europäische Uraufführung durch Koninklijk Ballet van Vlaanderen Tour in den Niederlanden und Belgien
  • 19. Februar 1999: Deutschlandpremiere im Musical Theater Bremen
  • 29. September 2001: Österreichpremiere im Theater an der Wien (A)
  • 12. März 2003: Wiederaufnahme im Musical Dome Köln
  • 30. Juni 2007: Premiere auf einer deutschen Freilichtbühne in Tecklenburg
  • Weitere Aufführungen von 'Jekyll & Hyde' in: Schweden, Spanien, Ungarn, Canada, Australien, Japan, Neuseeland, Griechenland, Dänemark, Süd Korea, Großbritannien, Irland, Mexiko, Tschechien, Italien
  • seit 2005 in Planung: Verfilmung des Musicals nach dem Muster von 'Chicago' und 'The Phantom of the Opera'
  • 11. Juni 2008: Premiere der deutschsprachigen Neubearbeitung von Susanne Dengler und Eberhard Storz bei den Bad Hersfelder Festspielen mit Jan Ammann in der Doppelrolle von 'Dr. Henry Jekyll' und 'Mr. Hyde'
  • 11. Juni 2008: Premiere bei den Burg Festspielen Bad Vilbel mit Alexander di Capri in der Doppelrolle von 'Dr. Henry Jekyll' und 'Mr. Hyde'
  • 18. April 2009: Premiere im Opernhaus Magdeburg, Magdeburg mit Yngve Gasoy Romdal in der Doppelrolle von 'Dr. Henry Jekyll' und 'Mr. Hyde'

Kreative

KONZEPT: Steve Cuden
Frank Wildhorn
ORCHESTRIERUNG: Kim Scharnberg
MUSIK: Frank Wildhorn MUSIKALISCHE LEITUNG: Rainer Roos
BUCH und LIEDTEXTE: Leslie Bricusse CHOREOGRAPHIE: Kim Duddy
DEUTSCHE FASSUNG: Susanne Dengler
Eberhard Storz
BÜHNEN-DESIGN: Court Watson
REGIE: Andreas Gergen und Christian Struppeck KOSTÜM-DESIGN: Regina Schill

Besetzung der Hauptrollen

DR. HENRY JEKYLL/MR. HYDE Yngve Gasoy Romdal
LUCY HARRIS Katharine Mehrling
LISA CAREW Leah Delos Santos (ab Oktober 2009)
Tamara Weimerich
JOHN UTTERSON Markus Liske
SIR DANVERS CAREW Nikolaus Meer

Cast

BAUMBACH, Ulrike NELLIE
DELOS SANTOS, Leah LISA CAREW
GASOY ROMDAL, Yngve DR. HENRY JEKYLL/MR. HYDE
JAKOBS, Jürgen SIR ARCHIBALD PROOPS
KLOSE, Wolfgang GENERAL LORD GLOSSOP
LISKE, Markus JOHN UTTERSON
MÄDLER, Ulf Dirk SIMON STRIDE
MATZ, Thomas LORD SAVAGE
MEER, Nikolaus SIR DANVERS CAREW
MEHRLING, Katharine LUCY HARRIS
MOST, Regina LADY BEACONSFIELD
WEIMERICH, Tamara LISA CAREW
WITTIG, Peter POOLE
WULFERT, Manfred BISCHOF VON BASINGSTOKE
Opernchor Theater Magdeburg
Ballett Theater Magdeburg
Extraballett Theater Magdeburg
 

Musiktitel

AKT 1 AKT 2
PROLOG
(instrumental und Chor)
MÖRDER, MÖRDER
(Arbeiterklasse und Oberklasse)
ICH MUSS ERFAHREN
(Dr. Henry Jekyll)
DA WAR EINST EIN TRAUM/ALS DAS HIER BEGANN Reprise
(Lisa Carew)
DER VORSTAND DES ST. JUDE HOSPITALS
(Dr. Henry Jekyll, Simon Stride, Mitglieder des Vorstands: Sir Danvers Carew, Lady Baconsfield, Lord Savage, Archibald Proops, Bischof von Basingstoke, General Lord Glossop)
WENN DU MICH LIEBST
(Lisa Carew)
WIE SOLL ES WEITERGEHEN?
(Dr. Henry Jekyll und John Utterson)
DIE WELT IST VÖLLIG IRR
(Dr. Henry Jekyll)
FASSADE
(Arbeiterklasse und Oberklasse)
EIN GEFÄHRLICHES SPIEL
(Lucy Harris und Mr. Edward Hyde)
DIE VERLOBUNGSFEIER
(Lisa Carew, Sir Danvers Carew, Dr. Jekyll, Simon Stride, Gäste)
KÖNNTEST DU VERSTEHN , WIE SEHR ICH LIEBE
(Lisa Carew)
Neu bei der Magdeburger Fassung
ALS DAS HIER BEGANN
(Lisa Carew und Dr. Henry Jekyll)
NUR SEIN BLICK
(Lisa Carew und Lucy Harris)
NIMM MICH, WIE ICH BIN
(Lisa Carew und Dr. Henry Jekyll)
EIN NEUES LEBEN
(Lucy Harris)
FASSADE Reprise
(Arbeiterklasse und Oberklasse) 
MITGEFÜHL, ZÄRTLICHKEIT
Reprise (Mr. Edward Hyde)
MÄNNER HER
(Lucy und Prostituierte der 'Roten Ratte')
DIE KONFRONTATION
(Dr. Henry Jekyll/Mr. Edward Hyde) 
LUCY TRIFFT JEKYLL
(Lucy und Dr. Henry Jekyll)
DIE HOCHZEITSFEIER
(Dr. Henry Jekyll/Mr. Edward Hyde, Lisa Carew, John Utterson, Sir Danvers Carew, Simon Stride, Hochzeitsgäste) hier nur gesprochen
DIES IST DIE STUNDE
(Dr. Henry Jekyll )
DA WAR EINST EIN TRAUM Reprise
( Dr. Henry Jekyll & Lisa Carew) 
ICH MUSS ERFAHREN Reprise
(Dr. Henry Jekyll)
DU BIST FREI NUN / WENN DU MICH LIEBST Reprise
( Lisa Carew)
DIE VERWANDLUNG
(Dr. Henry Jekyll/Mr. Edward Hyde)
 
DAS SEIN VON EDWARD HYDE I
(Mr. Edward Hyde)
 
LUCY TRIFFT HYDE/GEFÄHRLICHES SPIEL
(Mr. Edward Hyde)
 
DAS SEIN VON EDWARD HYDE II
(Mr. Edward Hyde)
 
NUR ARBEIT NOCH, NICHTS ANDRES ZÄHLT
(Lisa Carew, Dr. Henry Jekyll, John Utterson, Sir Danvers Carew)
 
MITGEFÜHL, ZÄRTLICHKEIT
(Lucy Harris)
 
JEMAND WIE DU
(Lucy Harris)
 
DAS SEIN VON EDWARD HYDE III
(Mr. Edward Hyde)
 

Kulturhistorischer Hintergrund

Im Mittelpunkt von Jekyll & Hyde steht das Motiv des „Doppelgängers“.
Ausgangspunkt dieser Vorstellung ist der Mythos vom Narziss (Metamorphosen des Ovid III 383-510, verfasst um den Zeitenwechsel), der sich in sein Spiegelbild verliebt, sich nach ihm verzehrt und vor Sehnsucht nach ihm schließlich vergeht. Das Spiegelbild ist hier Sinnbild des geteilten Ichs und doch hat es kein eigenes Ich, sondern ist wie ein Schatten.
In der Literatur der europäischen Romantik (19. Jh.) spielt das Motiv des Phantom-Doppelgängers eine große Rolle. Der Doppelgänger hat entweder eine positiv belehrende und befreiende Funktion, häufig aber ist er ein böses Gegenbild des Ichs, das wie der Teufel zu Verbotenem verführt. In jedem Fall ist der Doppelgänger ein physisch ähnliches Wesen, das auf die Originalperson eine besondere Wirkung hat, ist er doch die andere Seite, eine hellere oder dunklere Seite ihres Ichs. In der deutschen Romantik sind es Josef von Eichendorff („Das Marmorbild“, 1818) und vor allem E.T.A Hoffmann („Der goldene Topf“, 1814), die mit dem Thema des gespaltenen Ich-Bewusstseins spielen. Ein Mensch besitzt zwei Gesichter – hierfür hat ein Jahrhundert zuvor Johann Wolfgang von Goethe die Grundlage gelegt, indem er seinen Wissenschaftler Faust über die Zerrissenheit zwischen Wissenschaft und Leben folgendes sagen lässt:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I, Vers 1112-1117, zitiert nach der Hamburger Ausgabe, Bd.3, München 1989, S.41 )

Im angelsächsischen Raum bearbeitet neben Robert Luis Stevenson vor allem Edgar Allan Poe das Motiv des Phantom-Doppelgängers. So gilt Poes „William Wilson“ (1839) als Vorbild für Stevensons „The Strange Case of Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1886), eben die Novelle, die Grundlage auch des Musicals „Jekyll & Hyde“ ist. In "William Wilson" ist der Doppelgänger die bessere Hälfte des Ichs, die dem Erzähler mahnend seine Untaten vorhält und versucht, ihn auf einen besseren Weg zu führen. Am Ende von beiden Erzählungen, der von Poe und der von Stevenson, steht der Zweikampf mit dem Doppelgänger, der sich in William Wilson allein durch seine Stimme von dem Original unterscheidet. Im Tod werden beide Stimmen eins, wie auch der Doppelgänger mit seinem Ich eins wird. Beide sterben.
Die Verbindung zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde besitzt eine noch stärkere psychologische Komponente, hat Jekyll seinen Doppelgänger doch durch eine Droge aus sich selbst freigesetzt. Er ist Ergebnis eines Experiments. Wie der Doppelgänger in William Wilson hat Hyde eine ganz andere Stimme als Dr. Jekyll; er spricht leise und heiser. Mit dem unzureichenden Wissen dieser Zeit über die menschliche Psyche und in seiner wissenschaftlichen Hybris glaubt Dr. Jekyll, Gut und Böse trennen zu können, um so seine dunkle Seite zu vernichten. Die Erkenntnis der Psychoanalyse lässt Sigmund Freud ein Vierteljahrhundert (ca. 1919) später zur Problematik des Doppelgängers sagen, dass er die verdrängte Seite des eigenen Ichs ist und in seiner Ähnlichkeit besonders unheimlich. Freuds Schüler Carl Gustav Jung nennt den Doppelgänger die „dunkle Seite“ des Ichs. Diese Seite aber gehört zum eigenen Ich dazu und eine Trennung führt zu einer Persönlichkeitsspaltung, mit der der Mensch nicht leben kann. In „The Strange Case of Dr. Jeykyll und Mr. Hyde“ begeht Hyde die Verbrechen, vor denen Henry Jekyll noch Skrupel hatte und wird auf dessen Kosten immer stärker. Aber auch Hyde kann sich nicht von Jekyll befreien, denn auch er kann ohne ihn nicht leben.