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Deutsch
22.5.2014 : 18:21 : +0200
© Theater Bremen

Fakten

Veranstaltungsort: Musical Theater Bremen
Previews: 26.01. - 30.01.2009
Europapremiere: 31.01.2009
Aufführungstermine: 01.02. - 31.05.2009
Vorstellungsbeginn: Di, Do, Fr 20:00 Uhr
Sa 15:00 und 20:00 Uhr
Mi, So 18:00 Uhr
Dauer der Vorstellung: 2 Stunden 45 Minuten (inklusive Pause)
MC24-Vorteile: Sonderkonditionen für MC24-Mitglieder

Kurzzusammenfassung

Das DramaMusical 'Marie Antoinette' wirft einen Blick auf die Jahre 1775 - 1793 im Frankreich des untergehenden Absolutismus. Conte Balsamo Cagliostro, Alchimist und Hochstapler, ist Drahtzieher und zugleich Erzähler des Geschehens.

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnte. Marie Antoinette, die junge Königin von Frankreich, lebt am Hof von Versailles in den Tag hinein. Allein ihre Schönheit und ihre Bequemlichkeit interessieren sie. Margrid Arnaud, mit den gleichen Initialen wie die junge Königin, lebt mehr schlecht als recht von dem Verkauf von Blumen auf den Straßen von Paris. Von einem Gast des Herzogs von Orléans um ihren wohlverdienten Lohn betrogen, verschafft sie sich Zutritt zu dessen Ball und trifft auf Marie Antoinette. Auf der Straße verhungern Mütter und Kinder, während die Königin mit ihrem Liebhaber, dem schwedischen Diplomaten Graf Axel von Fersen, über die Tanzfläche schwebt. Sie ist blind gegenüber dem Schicksal ihrer Untertanen. Zeugin dessen, prangert Margrid den gesamten Adel wegen seiner Vergnügungssucht an.

Der Herzog von Orléans erkennt seine Chance. Margrid wird zum Werkzeug der Widersacher des Königs und der Königin. Marie Antoinettes Verschwendungssucht kennt bekanntlich keine Grenzen, und die liebevollen Ermahnungen ihres Gemahls, des schwachen König Ludwigs XVI., schlägt sie arrogant in den Wind. Die sog. "Halsbandaffäre" scheint so ganz ins Bild der exzentrischen Königin zu passen. Als Drahtzieher ihres Untergangs unternimmt Cagliostro eine Intrige. Er inszeniert den vermeintlichen Kauf eines unbezahlbaren Halsbandes durch die Königin und dichtet ihr eine Affäre mit Kardinal Rohan an. Margrids große Ähnlichkeit mit der Königin macht sie zum Werkzeug in Cagliostros und Orleans' Plan. Der König verklagt und parlamentarischer Freispruch des Kardinals und der Helfershelfer Damit bringt er die Massen nicht nur gegen den Lebenswandel und die Moral der Königin auf, sondern setzt die gesamte französische Monarchie ins Unrecht.

Graf Fersen organisiert die Flucht der Königsfamilie. Doch, was nutzt der beste Plan, wenn sich keiner daran hält. Der König lässt unnötige Pausen einlegen, so dass die Famiie, kurz bevor sie die Grenze erreicht hat, bei Varennes gefangengenommen und inhaftiert wird. Margrid arbeitet für die Verschwörergruppe um den Herzog von Orléans, der mit ihrer Hilfe den König loszuwerden hofft. Sie spioniert als Dienerin in unmittelbarer Nähe der Königin. Allmählich beginnt sie Mitleid für die junge Frau zu empfinden, die angesichts der drohenden Hinrichtung ihres Mannes und ihrer selbst ein starkes Bewusstsein für ihre kleine Familie entwickelt, aus dem sie bis zum Ende ihre Kraft zieht. Erst wird der Gatte exekutiert, dann wird Marie Antoinette der Sohn entrissen und zur Umerziehung in eine separate Zelle gebracht. Nach Verurteilung durch ein Tribunal wegen Verrats am französischen Volk steht schließlich auch ihr selbst 1793 die Hinrichtung bevor. Margrid versucht in letzter Minute, Marie Antoinette zu helfen, indem sie einen hochverräterischen Brief verschweigt, doch vergeblich...

Historie

  • Grundlage: Der Roman 'Königin Marie Antoinette' von Endo Shusaku (1979)
  • 2. November 2006: Welturaufführung des Musicals "Marie Antoinette" im Imperial Garden Theater, Tokio (J)
  • 2006 - Mai 2007: Weitere Aufführungen in Fukuoka und Osaka, dann wieder Tokio (J)

Kreative

MUSIK UND ORCHESTRIERUNG: Sylvester Levay BÜHNEN-DESIGN: Peter J. Davison
BUCH UND LIEDTEXTE: Michael Kunze KOSTÜM-DESIGN: Frauke Schernau
REGIE: Tamiya Kuriyama LICHT-DESIGN: Manfred Voss
CHOREOGRAFIE: Jaqueline Davenport
Doris Marlis
TON-DESIGN: Athanasios Rovakis
MUSIKALISCHE LEITUNG: Bernd Steixner    

Besetzung der Hauptrollen

MARIE ANTOINETTE
Königin von Frankreich
Roberta Valentini
Maricel (alternierend)
MARGRID ARNAUD
Revolutionärin
Sabrina Weckerlin
Marion Furtner (alternierend)
GRAF AXEL VON FERSEN
Schwedischer Diplomat
Patrick Stanke
GUISEPPE BALSAMO ALIAS CAGLIOSTRO
Alchimist und Erzähler
Ethan Freeman
Marc Clear(alternierend)
LOUIS XVI.
König von Frankreich
Tim Reichwein
HERZOG VON ORLÉANS
Cousin des Königs
Thomas Christ
AGNÉS DUCHAMPS
Nonne und Mentorin von Margrid
Maike Switzer

Cast

ACHILLES, Gerd TURGOT
Finanzminister
Zweitbesetzung LOUIS XVI.
ANDERSON, Frederik Zweitbesetzung LÉONARD
Ensemble
BACHER, Martin KAMMERDIENER
Ensemble
CHRIST, Thomas HERZOG VON ORLÉANS
Cousin des Königs
CLEAR, Marc GUISEPPE BALSAMO ALIAS CAGLIOSTRO (alternierend)
Cover HERZOG VON ORLÉANS
DELOSCH, Fernand CHARLES BOEHMER
Juwelier der Königin
Zweitbesetzung CAGLIOSTRO
Zweitbesetzung DR. GUILLOTIN
DÜLLMANN, Markus Maria MAXIMILIEN DE ROBESPIERRE
Revolutionär
DUSZA, Miriam Swing
EICKELMANN, Udo PIERRE A. CARON DE BAUMARCHAIS
Theaterautor
Zweitbesetzung HERZOG VON ORLÉANS
FREEMAN, Ethan GUISEPPE BALSAMO ALIAS CAGLIOSTRO
Alchemist
GRAW, Mona ESCORT-DAME DES HOTEL D'ORLÉANS
MADAME LA MOTTE
Zweitbesetzung ROSE BERTIN
Ensemble
GROOT, Lisette Zweitbesetzung MADAME LAPIN
Zweitbesetzung MADAME LAMBALLE
Zweitbesetzung MADAME DE POLIGNAC
HEIM, Oliver LÉONARD
Coiffeur der Königin
Zweitbesetzung HÉBERT
KOHLER, Nobert JAQUES RENÉ HÉBERT
Journalist
Zweitbesetzung LÉONARD
LEHMANN, Anika ESCORT-DAME DES HOTEL D'ORLÉANS
Zweitbesetzung MARIE ANTOINETTE
LIEBISCH, Marc Zweitbesetzung ROBESPIERRE
Zweitbesetzung BAUMARCHAIS
Ensemble
MARGAGLIOTTA, Patrizia ESCORT-DAME DES HOTEL D'ORLÉANS
Ensemble
MESKE, Bettina MADAME JULIETTE LAPIN
Betreiberin des Hotel D'Orléans
NEBLUNG, Hans LOUIS-EDOUARD
DE ROHAN-GUÉMÉME
Kardinal von Paris
NÖLDNER, Oliver KAMMERDIENER
Zweitbesetzung AXEL VON FERSEN
NONNIS, Daniele Dr. JOSEPH IGNACE GUILLOTIN
Arzt und Erfinder
Zweitbesetzung KARDINAL DE ROHAN-GUÉMÉMÉ
PANZNER, Susanna MADAME LAMBALLE
Freundin der Königin
Zweitbesetzung AGNÉS DUSCHAMPS
Zweitbesetzung ROSE BERTIN
Zweitbesetzung MADAME JULIETTE LAPIN
REICHWEIN, Tim LOUIS XVI.
König von Frankreich
REIL, Stefan Dance Captain
Zweitbesetzung HÉBERT
Swing
RÖMER, Marthe ESCORT-DAME DES HOTEL D'ORLÉANS
Ensemble
SCHAUER, Katie Zweitbesetzung MARGRID ARNAUD
Ensemble
SCHENK, Patrick Zweitbesetzung GRAF AXEL VON FERSEN
Zweitbesetzung ROBESPIERRE
Zweitbesetzung BAUMARCHAIS
WACHSOLDAT
WÄRTER
SCHUBERT, Till OFFIZIER
STAATSANWALT
Ensemble
SCHÜTZ, Sarah ROSE BERTIN
Modistin der Königin
Zweitbesetzung AGNÉS DUSCHAMPS
STANKE, Patrick GRAF AXEL VON FERSEN
Schwedischer Diplomat
STEINGASS, Julia ESCORT-DAME DES HOTEL D'ORLÉANS
Ensemble
SWITZER, Maike AGNÈS DUCHAMPS
Nonne und Mentorin von Margrid
TALLE, Ulrich Zweitbesetzung CHARELS BOEHMER
Zweitbesetzung Dr. GUILLOTIN
Zweitbesetzung KARDINAL DE ROHAN-GUÉMÉMÉ
WACHSOLDAT
WÄRTER
Ensemble
TIÈSCHKY, Sonja MADAME DE POLIGNAC
Freundin der Königin
Zweitbesetzung AGNÉS DUSCHAMPS
WECKERLIN, Sabrina MARGRID ARNAUD
Revolutionärin
WEIDENBACH, Petra Zweitbesetzung MADAME LAMBALLE
Zweitbesetzung MADAME DE POLIGNAC
Swing
VALENTINI, Roberta MARIE ANTOINETTE
Königin von Frankreich

Musiktitel

AKT 1 AKT 2
ILLUSIONEN
(Cagliostro)
EIN RECHT, DAS RECHT IST
(Kardinal de Rohan, Magrid Arnaud, Volk)
HUNGER/VEILCHEN
(Bevölkerung von Paris, Margrid Arnaud)
GOTT SIEHT UNS ZU
(Agnés Duchamps)
WARUM SIE, WARUM NICHT ICH
(Margrid Arnaud)
EIN HISTORISCHER TAG
(Louis XVI, Marie Antoinette)
SEHT SIE AN
(Marie Antoinette, Ballgäste)
SIEBZEHNHUNDERTNEUNUNDACHTZIG
(Cagliostro)
KUCHEN, KUCHEN
(Ballgäste)
FRAU'N VON PARIS!
(Magrid, Herzog von Orléans)
LANGWEILEN WILL ICH MICH NICHT
(Marie Antoinette)
DAS EINZIGE, WAS RICHTIG IST
(Marie Antoinette)
BLIND VOM LICHT
(Margrid Arnaud)
MÖRDER SIND WIR NICHT
(Frauen von Paris)
DU SIEHST KLARER
(Axel von Fersen)
WEIL ICH DICH RETTEN KANN
(Axel von Fersen)
SO WUNDERVOLL WIE SIE
(Königliche Bedienstete)
DER PARISER SCHNITT
(Königliche Schneiderin, Herzog von Orléans)
ICH WILL DICH NICHT STÖREN
(Louis XVI, Marie Antoinette)
TERRORHERRSCHAFT
(Jakobiner, Bürger Philippe)
STILL, STILL
(Agnés Duchamps)
DIE FLUCHT NACH VARENNES
(Margrid Arnaud, Marie Antoinette, Axel von Fersen)
GIB IHNEN ALLES, WAS SIE WOLL'N!
(Cagliostro, Madame Lapin, Margrid Arnaud, Agnés Duchamps)
WARUM MUSS ICH SEIN, WAS ICH NICHT BIN ?
(Louis XVI)
WEIL ICH BESSER BIN
(Herzog von Orléans)
VORWÄRTS BRÜDER!
(Aufrührer, Magrid Arnaud, Agnés Duchamps)
WENN
(Axel von Fersen)
DER BRIEF
(Axel von Fersen, Margrid Arnaud, Agnés Duchamps)
DOKTOR GUILLOTINS ERFINDUNG
(Dr. Guillotin, Ludwig XVI, Marie Antoinette)
ICH LIEBE DICH MEHR DENN JE
(Axel von Fersen)
FÄUSTE, FLÜCHE ILLUSIONEN-REPRISE
(Cagliostro)
AN EINEM SONNTAG
(Schauspieler, Margrid Arnaud)
JETZT HAB ICH FAST ALLES VERLOREN
(Magrid Arnaud, Axel von Fersen, Marie Antoinette, Kinder)
ICH WEINE NICHT MEHR
(Margrid Arnaud)
DAS TRIBUNAL
(Staatsanwalt, Journalist Herbért)
MARGRIDS SCHWUR
(Margrid Arnaud)
ERST IM LEID BIN ICH GANZ ICH
(Marie Antoinette)
DIE FRAU, DIE ER LIEBT
(Axel von Fersen)
ES LEBE DIE FREIHEIT!
(Agnés Duchamps, Magrid Arnaud)
GEFÜHL UND VERSTAND
(Marie Antoinette)
DAS AMULETT
(Marie Antoinette, Margrid Arnaud)
GOLD UND GIFT
(Cagliostro, Herzog von Orléans)
JENSEITS ALLER SCHMERZEN
(Axel von Fersen)
EIN TAG, DEN MAN NIEMALS MEHR VERGISST
(Cagliostro, Kardinal de Rohan, Margrid Arnaud)
 
DER HALSBANDKAUF
(Juwelier, Kardinal de Rohan, Marie Antoinette)
 

Kulturhistorischer Hintergrund

Zwischen der Ankunft Marie Antoinettes in Frankreich 1770 und ihrer Hinrichtung 1793 liegen 23 Jahre. Die Heirat des Thronfolgers Ludwig Auguste mit einer vierzehnjährigen österreichischen Prinzessin, einer Tochter Maria Theresias, hatte den Hof gespalten. Viele Hoffnungen richteten sich auf die junge Dauphine von Frankreich. Sie sollte König Ludwig XV. von seinem großen Interesse für Madame du Barry heilen. Auch traute man ihr zu, den Dauphin vom unheilvollen Einfluss seines Erziehers zu befreien und ihn zu einem echten Mann zu machen. So wurde die junge unbedarfte Prinzessin, die kaum auf die Freuden einer Ehe vorbereitet war, zum Spielball und Instrument der Intrigen am Hofe von Versailles. Von ihrem Mann geachtet, zum Teil verehrt, aber als Frau nie geliebt, war sie für Schmeicheleien sehr empfänglich und umgab sich mit falschen Freunden.

Zu Beginn beim Volk umjubelt und wegen ihres Charmes und ihrer Natürlichkeit beliebt, verlor Marie Antoinette nach und nach ihre Popularität und wurde schließlich zur meistgehassten Frau Frankreichs. Sie übte Nachsicht und Härte, wie es ihr beliebte und beeinflusste den unsicheren König zu beider Nachteil. Hinzu kam ihre Verschwendungssucht: Boten doch Schmuck, Kleider und die Vergnügungen des Rokoko ihre einzige Zerstreuung inmitten der Monotonie des Hofalltags.

Unschuldig war Marie Antoinette jedoch an einer politischen Geste Ludwigs XVI., die das französische Volk gegen die Königin österreichischer Herkunft aufbrachte. Der König zahlte 10.000.000 Gulden an Österreich, um in einer politischen Affäre den Frieden zu erhalten. Dennoch gehörte dieses Geschehen zu den Anklagepunkten vor dem Revolutionstribunal von 1793, die zur Verurteilung der jungen Königin von Frankreich führten.

Marie Antoinettes Fall und ihre öffentliche Hinrichtung als Symbolfigur des Ancien Régime hängen eng mit einer Intrige zusammen, die den Ruf der Königin noch mehr ruinierte und das tragische Schicksal des jungen Königspaares wesentlich bestimmte.

Besondere Brisanz verlieh der sog. "Halsbandaffäre" die ökonomische Krise der 1780er Jahre.
Eine geringfügige Verbesserung der Lebensumstände auf dem Lande führte zu einer Überbevölkerung, die der Ertrag des Bodens nicht mehr ausreichend ernähren konnte. Not und Unzufriedenheit wuchsen. Die Landflucht führte verarmte Bauern in die Städte, wo sie ihre Arbeitskraft anboten. Eine junge unzufriedene Generation wuchs heran, die von den Beschränkungen durch die Zünfte und die starre feudale Ordnung daran gehindert wurde, dem wirtschaftlichen Aufbruch der Moderne zu folgen. Dem städtischen gehobenen Bürgertum und dem Adel ging es allein darum, den eigenen Wohlstand zu vermehren. Das "vivre noblement" des Adels galt der Bourgeoisie als äußerst erstrebenswert. Nie zuvor in der französischen Geschichte wurden so viele Bürger geadelt wie im Ancien Régime.

Andere gaben sich den Adelstitel einfach selbst, wie der Hochstapler Guiseppe Balsamo, der sich als Graf Cagliostro mit alchemistischen Experimenten die Aufmerksamkeit der Großen Frankreichs erwarb. Er überzeugte sie, ihm für Kuren und Tränke Unsummen Geldes zu überlassen. Dafür versprach er ihnen Schönheit, sexuelle Potenz oder ein besonders langes Leben. Letzteres war ja nur schwer einzufordern. In die Fänge dieses Scharlatans, der ihm wesensverändernde Mittel verabreichte, geriet der leicht zu beeindruckende Kardinal Louis de Rohan. Er war Erzbischof von Straßburg und trug auch den Titel "Großkaplan von Frankreich". Diese Bezeichnung machte ihn zum Inhaber des geistigen Hofamtes. Kardinal Rohan allein spendete dem König die Kommunion und vollzog Heiraten oder Taufen in der königlichen Familie. Unter einem Umstand litt der mittlerweile 50jährige eitle Mann jedoch sehr: Die Königin verwehrte ihm jeden Zutritt zu ihrem Gesellschaftsbereich. Marie Antoinette konnte ihm nie verzeihen, dass er einst ihre Mutter kritisiert und verspottet hatte. Kardinal Rohan war dennoch besessen von dem Wunsch, die Gunst der Königin zurück zu erlangen und damit vielleicht auch ein Regierungsamt zu erhalten. Unter dem Einfluss Cagliostros lernte er Jeanne de La Motte kennen, eine skrupellose Abenteurerin, die sich von einer Bittstellerin zu Rohans Mätresse hocharbeitete. Als die neue Vertraute von dem Kummer ihres Gönners erfuhr, fasste sie den Plan, daraus Kapital zu schlagen. Sehr bald verkündete sie dem Kardinal ihren Aufstieg zur neuen Favoritin der Königin und versprach, sich für ihn bei Marie Antoinette zu verwenden. Von einem geschickten befreundeten Fälscher ließ Jeanne de La Motte kleine Briefchen der Königin entwerfen, die alle mit "Marie Antoinette de France" unterschrieben waren. Kardinal Rohan war entweder völlig in Jeanne vernarrt, oder die Drogen, die Cagliostro ihm verabreichte, hatten wirklich sein Gehirn angegriffen. Er erkannte nicht, dass die vermeintlichen Briefe nicht von der Königin stammen konnten. Marie Antoinette unterschrieb ihre gesamte Korrespondenz allein mit ihrem Vornamen.

Jeanne de La Motte inszenierte ein kurzes geheimes Treffen mit einer falschen Königin und brachte so den Kardinal ganz unter ihren unheilvollen Einfluss. In der Öffentlichkeit verbreitete sie weiterhin das Gerücht von ihrer Favoritenrolle bei Marie Antoinette. Irgendwann gelangte dieses Lügengespinst auch an die Ohren des seriösen Hofjuweliers Böhmer. Er und sein Kollege befanden sich in großer Bredouille. Sie hatten ein Collier mit den seltensten und klarsten Diamanten der Welt angefertigt, um es Ludwig XV. für seine Mätresse Madame du Barry zu verkaufen, als dieser überraschend verstarb. Doch auch Marie Antoinette hatte eine Schwäche für Diamanten. Als sie Ludwig XVI. das erste Kind gebar, wollte der glückliche Vater der jungen Mutter aus Dankbarkeit gerne das Halsband  schenken. Doch Marie Antoinette erfuhr, dass der Schmuck 1.600.000 Franc kosten sollte. Sie bewies eines der wenigen Male in ihrem Leben, dass sie durchaus gesunden Menschenverstand besaß. Damals war der Krieg in der Neuen Welt ausgebrochen und Marie Antoinette lehnte das königliche Geschenk ab. Sie ließ sich auch von Juwelier Böhmers Selbstmorddrohungen nicht beeindrucken, sondern riet ihm, die Teile des Colliers einzeln zu verkaufen, um seine Schulden zu begleichen.

In seiner Not ergriff Böhmer den Strohhalm, den ihm die vermeintliche neue Favoritin der Königin, Madame de La Motte, hinhielt. Der Betrügerin kam zustatten, dass der Lebensbereich von Marie Antoinette und der Kreis der Leute, die ihr Vertrauen besaßen, so klein war, dass die Königin von den Gerüchten um ihre neue Freundin kein Wort gehört hatte. Und selbstverständlich wusste auch der Kardinal nichts von der ursprünglichen Geschenkidee des Königs. Als die vermeinliche Königin ihn bat, in ihrem Namen den kostbaren Schmuck zu erwerben, schöpfte Rohan keinerlei Verdacht. Jeanne de La Motte erhielt das Collier, um es Marie Antoinette zu bringen. Wenige Tage später wurden die einzelnen Steine des Halsbandes auf dem Diamantenmarkt von London meistbietend feilgeboten. Im August 1785 erhielt Marie Antoinette einen Brief, der sie höflich aufforderte, die erste Rate für das Collier zu zahlen. Die Königin zweifelte an dem Verstand des Juweliers und warf den Brief achtlos weg. Zu dieser Zeit probte sie gerade für ein Theaterstück, in dem sie selbst mitspielen sollte. Eine Hofdame war es, die bei dem Theatertreffen die Neuigkeit von Kardinal Rohans Betrug verbreitete. Bedenkenlos habe er die Königin in seine Machenschaften hineingezogen. Im Anschluss an die Messe wurde der Großkaplan von Frankreich zu den Majestäten gebeten und ernsthaft zur Rede gestellt. Marie Antoinette konnte sich nur mühsam beherrschen und brach nach der Aufklärung über das unglaubliche Geschehen in Tränen aus. Ludwig XVI. wollte dem Kardinal eine öffentliche Verhaftung vor dem ganzen Hof ersparen, wagte dies aber angesichts der weinenden Königin nicht. Er war ein Mann, der den Tränen einer Frau nichts entgegenzusetzen hatte. So stimmte er sogar zu, dem Kardinal einen öffentlichen  Prozess vor dem Parlamentsgericht von Paris zu machen. Die Königin hatte keine Ahnung, welche Folgen diese öffentliche Bloßstellung des Kirchenmannes haben würde. Im Grunde hatte nur der Papst das Recht, den Kardinal zu verurteilen. Die Familie de Rohan stellte sich hinter ihren Verwandten und verbreitete das Gerücht, Rohan sei das Opfer einer Intrige Marie Antoinettes geworden. Während das Volk den Kardinal als Märtyrer betrachtete, fasste die Verleumdungskampagne gegen die Königin in der Stadt Paris Fuß. In den Provinzen sprach man sogar von einer Affäre der Königin mit dem Kardinal. Sie habe ihn für ihre Zwecke ausgenutzt, um das erhaltene Geld für das Collier an ihren Bruder weiterzugeben. Die Österreich-Gegner im Lande schürten diese Fama. Zur Krönung der Halsbandaffäre wurde Louis de Rohan schließlich vom Parlament von Paris freigesprochen. In der folgenden Zeit weigerte sich das Parlament zunehmend, Dekrete aus Versailles umzusetzen. Jubel herrschte auf den Straßen von Paris, und der Hass auf die österreichische Prinzessin, die Frankreich verraten und einem Kirchenmann den Prozess hatte machen wollen, wuchs. Erst, als es in jeder Hinsicht zu spät war, begriff Marie Antoinette die Folgen ihres Handelns...