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22.5.2014 : 18:21 : +0200
© Vereinigte Bühnen Wien

Fakten

Homepage der Produktion: Rudolf- Affaire Mayerling
Veranstaltungsort: Raimund Theater, Wien
Premiere: 26.02.2009
Aufführungstermine: FEBRUAR: 26. (Premiere)
ab 28. ensuite
SEPTEMBER 2009: Do 10. (Wiederaufnahme)
Derniere: 24. Januar 2010
Ausnahmen: keine Vorstellung wegen Musical Christmas am
Mo 30. November
Mo 7. / Fr 11. / Sa 12. / So 13. / Fr 18. / Sa 19. / So 20. Dezember
Vorstellungsbeginn: Mi - Sa 19:30 Uhr
So 18:00 Uhr
Dauer der Vorstellung: 2 Stunden 50 Minuten (inkl. Pause)
Derniere: 24. Januar 2010

Historie

  • Grundlage: unter anderem der historische Roman 'Ein letzter Walzer. Wien 1888/89' von Frederic Morton (Wien-München 1997)
  • 26. Mai 2006: Welturaufführung des Musicals 'Rudolf - The last kiss' an der Operett Színház in Budapest (H). Attila Dolhai spielte 'Rudolf' und Bernadett Vágó 'Mary Vetsera'.
  • 28 Juli 2006: Open Air-Premiere beim Open-Air-Festival Szeged (H)
  • 6. Mai - 1. Juni 2008: Japan-Premiere durch Toho Musical & Play in Tokio (J). Yoshio Inoue spielte 'Rudolf', Rena Sasamoto 'Mary Vetsera'
  • 26. Februar 2009: deutschsprachige Uraufführung von 'Rudolf - Affaire Mayerling' im Raimund Theater Wien (A) mit Drew Sarich als 'Rudolf', Lisa Antoni als 'Mary Baronesse Vetsera' und Uwe Kröger als 'Eduard Graf Taaffe'
  • 2009: Auszeichnung mit dem Publikumspreis in der Leserwahl der 'musicals' mit Platz 1 in 8 Kategorien mit Platz 1 darunter "Beste neue Musical Produktion", "Regie", "Choreografie", "Ausstattung" und "Musical-CD"

Kreative

MUSIK: Frank Wildhorn CHOREOGRAPHIE: John O'Connell
GESCHICHTE: Frank Wildhorn
Phoebe Hwang
ORCHESTRIERUNG: Kim Scharnberg
KONZEPT: Frank Wildhorn
Steve Cuden
ARRANGEMENTS &
MUSICAL SUPERVISOR:
Koen Schoots
BUCH:
LIEDTEXTE:
Jack Murphy MUSIKALISCHE LEITUNG: Caspar Richter
ZUSÄTZLICHE LIEDTEXTE: Nan Knighton BÜHNEN-DESIGN: Mike Britton
DEUTSCHE ÜBERSETZUNG DIALOGE: Julia Sengstschmid KOSTÜM-DESIGN: Laura Hopkins
DEUTSCHE ÜBERSETZUNG LIEDTEXTE: Nina Jäger LICHT-DESIGN: Patrick Woodroffe
Adam Bassett
REGIE: David Leveaux TON-DESIGN: Hendrik Maaßen

Besetzung der Hauptrollen

KRONPRINZ RUDOLF Drew Sarich
MARY BARONESSE VETSERA Lisa Antoni
EDUARD GRAF TAAFFE
Ministerpräsident
Uwe Kröger
MARIE GRÄFIN LARISCH Carin Filipčić
KAISER FRANZ JOSEPH Claus Dam
KRONPRINZESSIN STEPHANIE Wietske van Tongeren

Cast

BAUER, Kathleen MIZZI CASPAR
eine von Rudolfs Geliebten
Cover KRONPRINZESSIN STEPHANIE
ANTONI, Lisa MARY BARONESSE VETSERA
BRAAS, Silke Cover KRONPRINZESSIN STEPHANIE
Ensemble
DAM, Claus KAISER FRANZ JOSEPH
DICAPRI, Sascha GEORGES CLEMENCEAU
französischer Oppositionsführer
Cover KRONPRINZ RUDOLF
FARKIC, Alexandra Ensemble
FILIPČIĆ, Carin MARIE GRÄFIN LARISCH
GERTL, Niklas-Philipp Ensemble
HANSSON, Mathilda Ensemble
HUTTER, Jan MEISNER
ein Spitzel
KLINGER, Leigh Martha Cover MARY BARONESSE VETSERA
Ensemble
KOZELUH, Dennis EDWARD, PRINZ OF WALES
Cover KAISER FRANZ JOSEPH
KRÉKACS, Adrienn Ensemble
Cover MARIE GRÄFIN LARISCH
KRÖGER, Uwe EDUARD GRAF TAAFFE
Ministerpräsident
MARX, Robert D. GRAF GYULA ANDRÁSSY
Cover KAISER FRANZ JOSEPH
MAYNARD-SCHMID, Liane Swing
MIERSCH, Katrin Swing
NEUGEBAUER, Markus WILIGUT
ein Spitzel
Cover EDUARD GRAF TAAFFE
NEUWIRTH, Maxi Swing
NIEMEYER, Max Swing
OGINK, Christina Tineke Cover MARY BARONESSE VETSERA
Ensemble
PASCHING, Martin WILHELM II.
Deutscher Kaiser
Cover EDUARD GRAF TAAFFE
PETERSON, Kai MORIZ SZEPS
Herausgeber Wiener Tagblatt
SARICH, Drew KRONPRINZ RUDOLF
SCHMIDT, Fritz Swing
SIX, Rory FÜRST BRAGANZA
Cover KRONPRINZ RUDOLF
STOFF, Manuel HEINRICH VOGELSANG
STRAUB, Niran Ensemble
TESCH, Marcus Swing
VAN TONGEREN, Wietske KRONPRINZESSIN STEPHANIE
VON GELDERN, Anja Ensemble
WAUSCHKE, Claudia Ensemble
Cover MARIE GRÄFIN LARISCH

Musiktitel (erste Fassung)

AKT 1 AKT 2
OUVERTÜRE / WIE JEDER ANDRE MANN DIE FÄDEN IN DER HAND
(Eduard Taaffe und Ensemble)
VORHANG AUF
(Franz Joseph, Rudolf, Eduard Taaffe, Ensemble)
DU BLEIBST BEI MIR!
(Stephanie)
WIENER SCHMÄH
(Alle)
WIE JEDER ANDERE MANN Reprise
(Rudolf, später Mizzi)
WIE JEDER ANDRE MANN
(Rudolf)
WIENER SCHMÄH Reprise
(Ensemble)
DU WILLST NICHT HÖREN
(Franz Joseph, Rudolf)
MEIN SÜSSER HELD
(1 Mann, Ensemble)
WIENER SCHMÄH Reprise
(3 Herren)
MUT ZUR TAT
(Rudolf)
EIN HÜBSCHER KRIEG
(Marie Larisch, Mary Vetsera, alle Damen)
DER WEG IN DIE ZUKUNFT
(Rudolf und Ensemble)
MARYS LIED
(Mary Vetsera)
DIE LIEBE LENKT
(Marie Larisch)
DER BALL
(Alle)
DIE FUCHSFALLE
(Eduard Taaffe, Meisner)
DER PRINCE OF WALES WALZER
(Edward, Wilhelm, Rudolf, dann alle)
WENN DAS SCHICKSAL DICH EREILT
(Eduard Taaffe und Mary Vetsera)
MARYS WALZER
(Mary Vetsera, Rudolf)
KANN ICH EINFACH GEHN?
(Mary Vetsera)
DER BALL Reprise
(Alle)
ZEIT ZU HANDELN Reprise
(Andrássy, Szeps, Vogelsang, Clemenceau, Rudolf, Edward)
SO VIEL MEHR
(Rudolf und Mary Vetsera)
ICH SCHÜTZ DEN STAAT
(Franz Joseph)
DIE STRAHLENDE ZUKUNFT
(Eduard Taaffe)
DU BIST MEINE WELT
(Rudolf und Mary Vetsera)
ZEIT ZU HANDELN
(Andrássy, Szeps, Vogelsang, Clemenceau, Rudolf, Edward)
VERTRAU IN UNS Reprise
(Rudolf und Mary Vetsera)
WOHIN FÜHRT MEIN WEG?
(Rudolf)
 
TRALALA
(Alle)
 
IN DEM MOMENT ALS ICH DICH SAH
(Rudolf, Mary Vetsera)
 
VERTRAU IN UNS
(Mary Vetsera)
 

Musiktitel (zweite Fassung)

AKT 1 AKT 2
OUVERTÜRE / DU BIST MEINE WELT DIE FÄDEN IN DER HAND
(Eduard Taaffe und Ensemble)
VORHANG AUF
(Franz Joseph, Rudolf, Eduard Taaffe, Ensemble)
DU BLEIBST BEI MIR!
(Stephanie)
WIENER SCHMÄH
(Alle)
WIE JEDER ANDRE MANN Reprise
(Rudolf, später Mizzi)
WIE JEDER ANDRE MANN
(Rudolf)
WIENER SCHMÄH Reprise
(Ensemble)
DU WILLST NICHT HÖREN
(Franz Joseph, Rudolf)
MEIN SÜSSER HELD
(1 Mann, Ensemble)
WIENER SCHMÄH Reprise
(3 Herren)
MUT ZUR TAT
(Rudolf)
EIN HÜBSCHER KRIEG
(Marie Larisch, Mary Vetsera, alle Damen)
DER WEG IN DIE ZUKUNFT
(Rudolf und Ensemble)
MARYS LIED
(Mary Vetsera)
DIE LIEBE LENKT
(Marie Larisch)
DER BALL
(Alle)
DIE FUCHSFALLE
(Eduard Taaffe, Meisner)
MARYS WALZER
(Mary Vetsera, Rudolf)
WENN DAS SCHICKSAL DICH EREILT
(Eduard Taaffe und Mary Vetsera)
DER BALL Reprise
(Alle)
SO VIEL MEHR Reprise
(Rudolf und Mary Vetsera)
SO VIEL MEHR
(Rudolf und Mary Vetsera)
ZEIT ZU HANDELN Reprise
(Andrássy, Szeps, Vogelsang, Clemenceau, Rudolf, Edward)
DIE STRAHLENDE ZUKUNFT
(Eduard Taaffe)
DU BIST MEINE WELT
(Rudolf und Mary Vetsera)
ZEIT ZU HANDELN
(Andrássy, Szeps, Vogelsang, Clemenceau, Rudolf, Edward)
VERTRAU IN UNS Reprise
(Rudolf und Mary Vetsera)
WOHIN FÜHRT MEIN WEG?
(Rudolf)
 
TRALALA
(Alle)
 
IN DEM MOMENT ALS ICH DICH SAH
(Rudolf, Mary Vetsera)
 
VERTRAU IN UNS
(Mary Vetsera)
 

Kulturhistorischer Hintergrund

101 Kanonenschüsse gaben am 21. August 1858 die Geburt des österreichischen Thronfolgers aus dem Hause Habsburg bekannt. Elisabeth von Österreich hatte in Schloss Laxenburg einem Sohn das Leben geschenkt. Endlich schien der Fortbestand der Dynastie gesichert. Doch nicht nur der Jubel war groß, sondern auch die Hoffnungen waren es, die auf dem Sohn Kaiser Franz Josephs ruhten. Der neue 'Rudolf', benannt nach dem Gründer des Hauses Habsburg (600 n. u. Z.), sollte das Steuer noch einmal herumreißen und die Monarchie zu neuer Blüte führen.

Es war nicht üblich, dass ein Herrscherkind von den Eltern betreut wurde. Rudolfs erste Erzieherin war Freifrau von Welden, die sich fünf Jahre um das etwas schwächliche schüchterne Kind kümmerte. Einen wirklichen Kontakt zur Mutter konnte der Kronprinz nicht aufbauen, da diese ab 1860 nur selten zu Hause war, sondern erst auf Madeira, dann auf Korfu lebte. Ab dem dritten Lebensjahr lernte Rudolf bereits Rechnen, Schreiben und Religion, ebenso die Sprachen der k.u.k. Monarchie: Ungarisch und Tschechisch. Erzherzogin Sophie und Kaiser Franz Joseph wollten den Jungen schon früh auf sein Aufgabe als Herrscher vorbereiten und hofften, seine kränkliche und nervöse Natur mit rüden Erziehungsmethoden zu überwinden. Rudolf wurde mit nächtlichen Pistolenschüssen geweckt und zur Abhärtung mit kaltem Wasser übergossen. Militärischer Drill, Reiten und Schießen unter Anleitung des Generalmajors Graf Leopold Gondrecourt gehörten seit seinem sechsten Lebensjahr zum Alltag.

Das änderte sich erst, als Kaiserin Elisabeth sich nach Familienkämpfen in der Erziehung ihres Sohnes durchsetzte. Sie erzwang von Franz Joseph das Bestimmungsrecht über die Erziehung des Kronprinzen bis zu dessen Volljährigkeit. Elisabeth bestellte General Joseph Graf Latour von Thurmburg 1865 zu Rudolfs Mentor. Dieser erkannte die Neugierde und Intelligenz des Prinzen und gewann bald sein Vertrauen. Zeitweise waren es bis zu 50 verschiedene Lehrer, die Rudolf unterrichteten und seine Wissbegierde stillten. Der Kronprinz gehörte zu den wenigen gekrönten Häuptern in Europa, die eine vollständige wirtschaftliche Ausbildung erhielten. Ein Studium blieb ihm zwar verwehrt, doch als begabter Ornithologe erhielt er einen Ehrendoktor.

Zunehmend entwickelte der Kronprinz liberale Ansichten. Er lehnte den Einfluss der katholischen Kirche ab und folgte seiner Mutter, die er bei aller späteren Kritik sehr verehrte, in ihrer Neigung zu Ungarn. Für seine spätere Herrschaft plante er eine Stärkung des Balkans gegenüber Russland. Preußen stand er von Anfang eher misstrauisch gegenüber. Nachdem die Österreicher bei Königgrätz 1866 vernichtend geschlagen worden waren, begann Rudolf die Preußen regelrecht zu hassen. Dieses Gefühl wirkte sich später auch auf seine Abneigung gegen Deutschland aus. Österreichs Zukunft sah er in einer Orientierung nach Osten.

Mit dem Vater verband Rudolf, außer der gemeinsamen Jagdleidenschaft, wenig. Je mehr Rudolf durch seine Studien über die Welt erfuhr, desto kritischer sah er die konservative Politik des Vaters. Zu gerne hätte er das Steuer übernommen. Doch Kaiser Franz Joseph schloss seinen jungen Nachfolger, dessen politischen Ambitionen er gerne mit "Rudolf plauscht wieder" abtat, von den Regierungsgeschäften kategorisch aus. Der Kronprinz ertrug seine politische Ohnmacht nur schwer und wurde zunehmend zynisch. Durch seine liberale Prägung neigte er eher bürgerlich-liberalen Kreisen zu, in denen sich auch Bürger jüdischen Glaubens einfanden. Unter Rudolfs Lehrern waren Juden gewesen; für den Prinzen machte die Religion keinen Unterschied. Da Rudolf offiziell nicht politisch agieren konnte, suchte er ein Organ für seine Kritik an Franz Josephs Regierung. Er fand es im Neuen Wiener Tagblatt, deren Herausgeber, Moritz Szeps, er 1881 kennenlernte. Anonym sowie unter dem Pseudonym 'Julius Felix' veröffentlichte der Kronprinz regimekritische Artikel gegen die absolutistische, katholische Politik seines Vaters. Rudolfs Beziehung zu Moritz Szeps blieb nicht unbemerkt und schuf dem Kronprinzen in konservativen und antisemitischen Kreisen zahlreiche Feinde. Sein härtester Widersacher an der Spitze des Kabinetts war der mächtige Ministerpräsident Graf Eduard Taaffe, die graue Eminenz der kaiserlichen Politik. Graf Taaffe gelang es, jede Gruppierung glauben zu machen, er wäre auf ihrer Seite. In diesem Sinne war er ein Meister der Diplomatie.

Mit seiner Volljährigkeit avancierte Rudolf zum Liebling der Damenwelt. Das verdankte er seinem Haushofmeister Graf Charles Bombelles, einem bekannten Lebemann, der seinen Kronprinzen an neue Seiten des Lebens heranführte. Erst mit 23 Jahren heiratete Kronprinz Rudolf die 16jährige Stephanie von Belgien. Die Hochzeit wurde mit großen Feierlichkeiten begangen und fand in der Augustinerkirche statt, in der auch Elisabeth und Franz Joseph geheiratet hatten. Aus den erhaltenen Briefen ist zu schließen, dass Rudolf und Stephanie zu Beginn eine harmonische Ehe führten. Die gegenseitige Zuneigung reichte aber nicht aus, beide dauerhaft aneinander zu binden. Stephanie war als königliche Prinzessin erzogen worden und konnte mit den zahlreichen Interessen und Rudolfs Vorstellungen von einem fortschrittlicheren besseren Österreich nichts anfangen. Kaiserin Elisabeth war Stephanie auch keine Stütze. Sie verstand nicht, warum ihr Sohn eine Frau geheiratet hatte, die so gar nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprach. Elisabeth sprach von ihrer Schwiegertochter zuweilen als "hässliches Trampeltier".

Rudolf und Stephanie lebten sich allmählich auseinander; daran änderte auch die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, Erzherzogin Elisabeth, nichts. Nach der ersten Geburt konnte Stephanie keine weiteren Kinder bekommen. Rudolf suchte schon länger außerhalb der Ehe sein Vergnügen bei Damen der Halbwelt, insbesondere in den Armen der Schauspielerin Mizzi Caspar. Das führte zu unschönen Eifersuchtsszenen zwischen den Eheleuten, die zum Gespräch des Hofes wurden. Der Kaiser rügte Sohn und Schwiegertochter und pochte auf die Einhaltung der Sitten. Rudolf selbst erkannte schließlich: "Wir passen nun mal nicht zusammen, wir machen uns das Leben zur Hölle." Stephanie, die Rudolf liebte, erklärte sich in ihren Memoiren die verfahrene Situation auf ihre eigene Weise: "Infolge der vielen Erfahrungen, die er von jung auf mit Frauen gemacht hat, schätzt er eben die Frau als solche gering und erachtet sie nicht als ebenbürtiges Wesen."

Frustriert von der politischen Ohnmacht und der unglücklichen Ehe, wurde Rudolf dem Leben gegenüber immer zynischer. Er trank regelmäßig Champagner mit Cognac vermischt, um seine angespannten Nerven zu beruhigen, was seiner ohnehin schwachen körperlichen Konstitution nicht bekam. Auch mit Drogen experimentierte er. Schon immer übte der Tod auf Rudolf eine große Faszination aus. Nicht nur darin ähnelte er seiner Mutter Elisabeth. Auf seinem Schreibtisch lagen immer ein Totenschädel und ein Revolver nah beieinander. Rudolf machte sich Gedanken über das Erbe der Wittelsbacher und fürchtete, wie Elisabeth auch, die geistige Degeneration.

In dieser Verfassung lernte der Kronprinz im Herbst 1888 die 17jährige Baronesse Mary Vetsera kennen, die eine innige schwärmerische Zuneigung für den Prinzen entwickelte. Seine charmante Art und sein geheimnisvolles, grüblerisches Wesen fesselten ihre Aufmerksamkeit. Zuerst lenkte die junge Modedame Rudolf mit ihrem heiteren Wesen von seinen Sorgen ab, dann wurde sie zu seiner Verbündeten, bereit mit ihm in den Tod zu gehen. Wenn man die Briefe liest, die Mary Vetsera an Gräfin Marie Larisch, die Initiatorin der gemeinsamen Treffen mit dem Kronprinzen schrieb, erschien ihr das gemeinsame Vorhaben als Weg in eine andere Welt – als eine Art großes Abenteuer.

Heute gilt als wahrscheinlich, dass Rudolf auf seinem Jagdschloss Mayerling am 30. Januar 1889 zuerst Mary Vetsera, dann sich selbst erschoss. Der Hof vertuschte den Tod der Geliebten, um Rudolf ein katholisches Begräbnis in der Kaisergruft zu ermöglichen und erklärte Rudolfs Handeln zunächst als Unfall, dann als Folge von "Geistesverwirrung". Der wirkliche Grund für den Selbstmord des Kronprinzen bleibt bis heute verborgen. Sein Leben kann nur Hinweise geben, aber diese sprechen eine deutliche Sprache.