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Deutsch
22.5.2014 : 18:22 : +0200

11. Dezember 2009

19.30 Uhr

St. Augustine of Canterbury
Wiesbaden

 

mit
Deborah Cole
Kenneth Derby

und 

Erika Le Roux
(Piano)

 

Wunderbar, Wunderbar...

Erika Le Roux, Deborah Cole, Kenneth Derby

"In jedem lustigen Lied von Cole Porter ist etwas Trauriges und in jedem traurigen Lied ein Hoffnungsschimmer." Mit diesen Worten charakterisierte Kenneth Derby Cole Porters Texte und Kompositionen aus den 1930-1950er Jahren. Deborah Cole, Erika Le Roux und er nahmen ihr Publikum in der 'Broadway Night' am 11. Dezember 2009 mit auf eine Reise durch die musikalischen Geschichten und das Leben der beiden Musical- und Filmkomponisten Cole Porter und George Gershwin.

Im ersten Teil erlebten die Zuschauer, in der anglikanischen Kirche St. Augustin of Canterbury in Wiesbaden, Lilli Vanessi und Fred Graham aus 'Kiss me Kate' bei ihren Vorbereitungen für den Auftritt (Another Opening' Another Show), sie lernten das Ehepaar 'Mr. and Mrs. Fitch' aus (Gay Divorce) kennen und auch die skurrile Mrs. Otis (Hi Diddle Diddle), die noch auf dem Schafott bedauert, nicht zum Tee kommen zu können (Miss Otis Regrets). In kleinen informativen Pausen erzählten die Künstler zweisprachig und auf launige Art, wie Cole Porter statt Jura Musik studierte, welche Schwierigkeiten der Liedtexter und Komponist hatte, Begeisterung für seine ersten Werke zu wecken, bis er nach Paris ging, wo vier seiner Musicals spielen. In den Ausschnitten aus dem Musical 'Can-Can', die Kenneth Derby zur Aufführung brachte, waren die französischen Einflüsse deutlich zu hören, zugleich auch die Wortspiele, die so kennzeichnend sind für Cole Porters Texte. Mit ausdrucksvollem Schauspiel, variabler Baritonstimme, mit der der Sänger in Höhen und Tiefen gleichermaßen Akzente setzte, erzählte er bei jedem Lied eine kleine Geschichte. Der gebürtige Amerikaner harmonierte aufs Schönste mit seiner Sanges- und Spielpartnerin Deborah Cole, selbst, wenn sie ihn wie bei 'Love for Sale' (The New Yorkers) nur anspielte, während sie mit ihrer Stimme die Facetten der Liebe ausmalte und fühlen ließ. Einmal hell und strahlend, dann mit großer Dramatik, erfüllte ihr warmer Koloratur-Sopran bei 'So in Love' den ganzen Raum. Kurz darauf wurde das Kirchenschiff zum Ballsaal, als Deborah Cole und Kenneth Derby mit dem Walzer 'Wunderbar / Wonderful' durch den Mittelgang schwebten wie einst Ginger Rogers und Fred Astaire. Die großartige Konzert-Pianistin und Dirigentin Erika Le Roux wurde von ihren Sangeskollegen immer wieder auf liebevolle Weise auch stimmlich einbezogen. In 'Friendship' wurde spürbar, dass hier musikalische Freunde ein Konzert gaben. Die Pianistin war eine wunderbare Begleiterin der gesanglichen Darbietungen, denen sie sich mit großer Sensibilität anpasste, wobei sie die Sänger strahlen ließ. Doch da war noch mehr - ich möchte es ein Gespräch zwischen Sängerin und Pianistin nennen, was bei Deborah Coles swingendem 'Night and Day' entstand. War da erst ein zartes Gespräch, steigerte sich das Miteinander im Gershwin-Teil: Erika Le Roux und Deborah Cole gaben sich bei 'I Got Rhythm' ganz ihrer Jazz-Leidenschaft hin. Die Texte für George Gershwin schrieb sein Bruder Ira. So enstanden in gemeinsamer Arbeit 1500 Songs. Kenneth Derby ließ verlauten: "Würden wir die alle singen, dann ständen wir noch nächste Woche hier." In seinem Medley aus 'Lady, Be Good' ließ der Entertainer seinen Charme spielen, folgte mit gezieltem Einsatz der klassisch ausgebildeten Stimme den Stilwechseln und akzentuierte gekonnt jede Pointe.

Die drei Künstler noch in Gala-Robe

Der zweite Teil der 'Broadway Night' begann den mitreißenden Musicalkompositionen George Gershwins. den Maurice Ravel als Schüler ablehnte, um dessen Jazz-Stil nicht zu verwässern. Als er selbst Gershwin hörte, soll er geäußert haben: "Can You teach me?" Eine besondere Einlage bildete einmal mehr das Duett zwischen Deborah Cole und Erika Le Roux - zwischen Sängerin und Pianistin, wobei letztere ihrem Instrument bei 'Slap that Bass' (Shall We Dance) rhythmische Bass-Töne entlockte. Mit 'By Strauss' gab es noch einmal Walzerklänge', bevor Erika Le Roux mit ihrem Piano-Solo der Preluden von Gershwin auch motivisch zum 'Porgy and Bess'-Thema überleitete. Bei den großen Arien aus der Jazz-Oper wie 'My Man's Gone Now' oder 'Summertime' bewies Deborah Cole ihr dramatisches Talent. Schmerz und Wut lagen in ihrer Stimme, ja ein Schluchzen, ohne dass die Sängerin sich davon beeindrucken ließ. Die Größe und die verschiedenen Klangfarben ihrer Stimme kamen auf Schönste zum Ausdruck. In dem berührend gespielten und gesungenen Duett 'Bess, You Are My Woman Now', über die Jahreszeiten der Liebe, mit Kenneth Derby, gipfelte das Ganze in einer wunderbaren Stimmharmonie. Die Wiesbadener Broadway Night klang mit dem Weihnachtslied 'White Christmas' aus, das in diesem Fall vom zeitnahen Musical-Komponisten Irvin Berlin stammt, da George und Ira Gershwin keine Christmas-Songs geschrieben haben.

So endete ein umfangreicher und informativer Cole Porter- und George Gershwin-Abend, den Deborah Cole, Kenneth Derby und Erika Le Roux mit Können, Kunst, Sanges- und Spielfreude gestalteten.

Der Erlös des Konzertes kam St. Augustin of Canterbury für Ihre Gemeindearbeit zu Gute. Die englisch-amerikanische Kirche ist auf Benefizveranstaltungen wie diese und die Unterstützung von Künstlern, die im Rhein-Main-Gebiet leben und arbeiten, angewiesen, da sie keine staatliche Unterstützung erhält.

Text: Barbara Kern
Fotos: privat

Künstler

Deborah Lynn Cole

ist gebürtige Amerikanerin und gewann den bedeutenden Gesangswettbewerb der Metropolitan Opera National Council Auditions New York. Sie sang an den Opernhäusern in Boston, Houston, Denver und Pittsburgh verschiedene wichtige Partien ihres Fachs, bevor sie nach Deutschland kam. Zwischen 1989 und 1996 war die Künstlerin festes Ensemblemitglied an den Städtischen Bühnen Osnabrück, dann am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Seit 1996 ist sie freischaffend tätig und solistischer Gast u. a. an der Deutschen Oper Berlin, an der Oper Frankfurt und am Nationaltheater Mannheim. Zu den von ihr verkörperten Rollen gehören Amina (La Sonnambula), Norina (Don Pasquale), Romilda (Xerxes), Pamina (Die Zauberflöte), Gretel (Hänsel und Gretel), Sonja (Der Zarewitsch) und Maria (West Side Story). Als lyrische Koloratursopranistin verfügt Deborah Lynn Cole über ein weit gefächertes Repertoire, das von Oper, Operette und Musical über geistliche und weltliche konzertante Musik bis hin zum Jazz reicht. Als Solistin arbeitete sie im In- und Ausland u.a. mit den Berliner Symphonikern, dem Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt dem Rundfunkorchester des Südwestfunks dem Colorado-Symphonie Orchester, dem Turin Philharmonic Orchester und dem Korean Broadcasting Symphonie Orchester. Seit 2003 gibt Sie ihre Erfahrung mit dem Instrument Stimme an der Johannes-Gutenberg-Universität an den Nachwuchs weiter. Mehr Informationen unter www.deborah-cole.de

Kenneth Derby

wurde als Schauspieler an der Carnegie-Mellon Universität und als Sänger an der Indiana University ausgebildet. Gesangsunterricht bei Ks. Herbert Kraus und Ks. James King. Er arbeitete mit Regisseuren wie Harold Prince und Trevor Nunn sowie mit dem Dirigenten Paul Gemignani. In Deutschland spielte er Hauptrollen in 'Das Phantom der Oper', 'Sunset Boulevard', 'Ein Käfig voller Narren', 'Jesus Christ Superstar' (Pilatus), 'Chess' und 'Evita'. In New York City spielte er Hauptrollen in 'The Mikado', 'HMS Pinafore', 'Of Thee I Sing'. In Konzerten sang er die Partien des Telramund, Wolfram und Marcello. Engagements führten ihn u.a. nach Paris, Tokyo, Kairo, Athen, Basel, Meran, Münster, Frankfurt und Mannheim. Am Tiroler Landestheater spielt er in der Wiederaufnahme von 'Lulu – Das Musical' (Mai 2010) Dr. Schön. Seine Erfahrungen im Showbiz gibt er an der Dance & Arts Academy of the Performing Arts in Mainz an den Musical-Nachwuchs weiter.
Mehr Informationen unter www.landestheater.at

Erika Le Roux

ist gebürtige Südafrikanerin aus Johannesburg und Preisträgern der Internationalen Klavierwettbewerbe in Pretoria und Montevideo. Sie gehört zu den führenden Pianisten-Persönlichkeiten ihrer Heimat, nicht nur als Konzertpianistin, sondern auch als gesuchte Kammermusikerin und Lied-Begleiterin. Konzertreisen führten sie nach Südamerika und Europa ( England, Belgien, Italien, Ungarn, etc.). Seit 1994 lebt sie in Deutschland und entwickelte hier eine vielfältige Tätigkeit als ebenso gesuchte wie engagierte Kammermusik-Pianistin und Liedbegleiterin, die nicht nur über ein großes Repertoire verfügt, sondern dies auch mit Neugier und Leichtigkeit erweitert. So ist sie Partnerin und Coach von namhaften Sängern und Violin-Solisten.Bereits in ihrer Heimat arbeitete sie als Dirigentin und setzte ihr Dirigat im Musical- und Opernfach in Deutschland fort.
Mehr Informationen unter http://www.johannesgemeinde.com/pdf/erikaleroux.pdf

Setlist

MUSIKTITEL INTERPRET/-IN WISSENSWERTES
1. Teil  
Another Openin’ Another Show Deborah Cole & Kenneth Derby Musical: Kiss Me Kate (1948)
I Get A Kick Out Of You Deborah Cole Musical: Anything Goes (1934)
Night And Day Deborah Cole Musical:Gay Divorce (1932)
Mr. And Mrs. Fitch Deborah Cole & Kenneth Derby Musical:Gay Divorce (1932)
I’m A Gigolo Kenneth Derby  
Make It Another Old Fashioned, Please Kenneth Derby Musical: Panama Hattie (1940)
Friendship
Deborah Cole/Kenneth Derby/Erika Le Roux (Trio) Musical: Du Barry Was A Lady (1939)
My Heart Belongs to Daddy Deborah Cole Musical: Leave It to Me (1938)
Miss Otis Regrets Deborah Cole & Kenneth Derby Musical: Hi Diddle Diddle (1934)
Conference about Porter’s Love of Paris Kenneth Derby  
Medley: C’est Magnifique
It’s Allright With Me
I Love Paris
Can-Can
Kenneth Derby Musical: Can-Can (1953)
Conference about Porter’s Comeback Deborah Cole  
Love for Sale Deborah Cole Musical: The New Yorkers (1930)
From This Moment On Kenneth Derby Musical: Kiss Me, Kate (1948)
So In Love Deborah Cole Musical: Kiss Me, Kate (1948)
Wunderbar / Wonderful Deborah Cole & Kenneth Derby Musical: Kiss Me, Kate (1948)
2. Teil    
I Got Rhythm
(Gershwin transcription)
Deborah Cole & Erika Le Roux Musical: Girl Crazy (1930)
Embraceable You
Kenneth Derby Musical: Girl Crazy (1930)
Someone To Watch Over Me Deborah Cole Musical: Oh Kay! (1926)
Medley:
Let’s Call the Whole Thing Off
Nice Work If You Can Get It
Bidin’ My Time
They All Laughed
How Long Has this Been Going On?
Fascinatin’ Rhythm
Kenneth Derby Musical-Film: Lady, Be Good (1924)
They Can’t Take That Away From Me Deborah Cole & Kenneth Derby Musical: Shall We Dance
The Man I Love Deborah Cole Musical-Film: Lady, Be Good (1924)
Slap that Bass Deborah Cole Musical: Shall We Dance
By Strauss Deborah Cole Musical: The Show Is On (Vernon Duke)
Preluden Gershwin Erika Le Roux am Piano  
Conference about Classical Gershwin
   
My Man’s Gone Now Deborah Cole Musical: Porgy and Bess (1935)
I Got Plenty Of Nuthin’ Kenneth Derby Musical: Porgy and Bess (1935)
Summertime Deborah Cole Musical: Porgy and Bess (1935)
Bess, You Is My Woman Now (Duett) Deborah Cole & Kenneth Derby Musical: Porgy and Bess (1935)
Zugaben    
White Christmas alle