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22.5.2014 : 18:27 : +0200

Ganz in der Geschichte: 'Der Graf von Monte Christo' am Theater St. Gallen

Was verändert das Wesen eines Menschen so, dass er alle Menschlichkeit fahren lässt und den einzigen Sinn seines Daseins darin sieht, Rache zu nehmen? Es ist das unschuldige Leiden, das nicht einmal das Warum kennt. Ein solches
Leid widerfährt dem jungen Seemann Edmond Dantès in Alexandre Dumas' Abenteuer- und Entwicklungsroman 'Der Graf von Monte Christo'.

Einander ergänzende Erzählweisen

Frank Wildhorn und Jack Murphy verdichten den Roman von über 1000 Seiten für ihre Musicalfassung auf etwas über zwei Stunden. Dabei konzentrieren die beiden Autoren - gemeinsam mit Regisseur Andreas Gergen - sich und ihre Geschichte auf die Verkettung der Motive: Glück - unschuldiges Leiden – Erkenntnis des Ursprungs dieses Leidens – Vergeltung – Liebe. Dem musikalischen und dem Geschichten-Erzähler gelingt es, die zentrale Handlung mit all ihrer Dramatik stringent und unterhaltsam zu erzählen.

Frank Wildhorn hüllt das dramatische Geschehen in große – manchmal regelrecht bombastische – Musik von elegischen Chorälen, über riesige emotionale Balladen bis hin zu einprägsamen Zwischenspielen. Und die 30 Musiker des Sinfonieorchesters St. Gallen, unter Leitung von Koen Schoots, sorgen dafür, dass Frank Wildhorns musikalische Erzählweise das Publikum von den ersten Tönen des 'Kyrie Eleison' an in das Geschehen hineinzieht und nicht mehr los lässt.

Regisseur Andreas Gergen erzählt die Geschichte von 'Edmond Dantès' und von 'Der Graf von Monte Christo' mit großen Emotionen, ohne sich darin zu verlieren. Immer wieder überrascht seine Inszenierung durch Situationskomik, die dadurch entsteht, dass die interne Skurrilität einer Situation genutzt wird. Im Gedächtnis bleibt hier vor allem der Auftritt 'Abbé Farias' (Dean Welterlen), der seinen Kopf aus der Bodenklappe steckt und heiter bemerkt: "Die falsche Richtung!" Wortlos aber nicht lautlos ist die Komik in den Katakomben von Rom. 'Der Graf von Monte Christo' (Thomas Borchert) bewegt Albert (Daniel Berini) zur Flucht, während er sich gegen die vermeintlichen Entführer mannhaft verteidigt. Als er den jungen Mann in der Kanalisation verschwunden wähnt, steckt er aufatmend den Degen weg, doch zu früh, denn Albert sorgt sich um seinen Retter und erscheint wieder auf der Bildfläche. Worauf der Kampf einen kurzen Moment weiter geht, bis der Graf schwungvoll auf die Bodenklappe springt und der Sache ein Ende bereitet. Diese Szene ist neben dem Tanz der Piratinnen ohnehin eine der heiteren Szenen, die dem Stück als Gegengewicht zur großen Tragik anderer Momente gut tun. Andreas Gergen versteht es, das dramatische Geschehen zu lenken und mit Hilfe einer erstklassigen, spielfreudigen Besetzung die Lebensstationen der Titelfigur herauszuarbeiten. Man ist ganz in der Geschichte!

Die Geschichte

Inmitten des größten Glücks, gerade zum Kapitän befördert und verlobt mit der Frau, die er liebt, wird dem jungen Seemann Edmond Dantès alles genommen. Er, der glaubte, keine Feinde zu besitzen, wird wegen des Neides seiner Rivalen und wegen der Ehrsucht eines jungen Staatsanwalts unschuldig im Chateau D'If eingekerkert. Zunächst erhält ihn der Glaube an die ewige Liebe seiner Verlobten Mercédès am Leben, dann beschert ihm das Gefängnis einen Freund und Lehrmeister, der ihn mit geistigem und körperlichem Training antreibt, den Abbé Faria. Gemeinsam gräbt man am Weg in die Freiheit und verbringt die Tage mit Sinnvollem. Dantès gelingt es durch Gedankenspiele, die ihn quälende Frage nach dem „Warum?“ seines Leidens zu beantworten. Als der Gang fast fertig ist, ereilt den alten Freund der Tod durch ein Beben im Stollen. Kurz bevor Abbé Faria stirbt, verrät er seinem Schüler die Existenz eines Schatzes auf der Insel 'Monte Christo'. Gerettet durch Piraten unter der Führung von Louisa Vampa, erwirbt sich Dantès die treue Freundschaft Jacopos, weil er ihn nach einem Kampf auf Leben und Tod verschont. Nach der Hebung des Schatzes, kehrt Edmond Dantès als 'Graf von Monte Christo' in die Welt zurück. Dort erfährt er, dass Mercèdès seinen ärgsten Feind, Fernand Mondego, geheiratet hat - den Mann, der ihn aus Neid auf ihrer beider Liebe ins Gefängnis gebracht hat. Von nun an zählt für den 'Graf von Monte Christo' allein sein Streben nach Vergeltung. Er versteht sich als gottgleichen Richter über seine Feinde. Die vermeintliche Rettung Alberts aus den Händen von Entführern in den Katakomben von Rom verschafft Monte Christo den Zutritt zur Pariser feinen Gesellschaft. Man reißt sich darum, die Bekanntschaft des geheimnisvollen Grafen, um den sich so viele Gerüchte ranken, zu machen. Bankier Danglars, der frühere Maat, der Edmond Dantès den Kapitänsposten neidete und ihn deshalb als Bonapartisten anschwärzte, lässt sich zu Börsenspekulationen hinreißen, ebenso Villefort der meint, man könne nie genug Geld haben, um Gutes zu tun und Fernand Mondego, der ständig Schulden wegen seiner Spielsucht und der Vergnügungen in der Pariser Unterwelt hat. Als sich herausstellt, dass Monte Christo die Firma bewusst in den Ruin getrieben hat, die er extra für seinen Coup an der Börse etabliert hatte, erschießt sich Danglars, Villefort verliert alles Ansehen und Fernand Mondego ist bankrott. Sein Sohn Albert fühlt sich verraten von dem Mann, den er für seinen Freund hielt und fordert zum Entsetzen seiner Verlobten Valentine Monte Christo zu einem Duell, das der Junge nur verlieren kann. Mercédès fleht den Grafen von Monte Christo vergeblich an, ihren Sohn zu schonen, da er das Einzige ist, was ihr bleibt. Erst als die mutige Valentine sich zwischen ihren Verlobten und Monte Christo stellt und fragt, ob er je verliebt war, zerbricht der Ring, den Monte Christo zum Selbstschutz um sein Herz gelegt hat. Auf einmal sieht er in Valentine und Albert seine eigene Vergangenheit und schießt in die Luft. Als er dann von Mercèdès, die sich von ihrem Mann getrennt hat, auch noch erfährt, dass sie Fernand Mondego nur wegen einer Lüge geheiratet hat, gibt es für beide einen neuen Weg zueinander. Doch dazwischen steht ein Duell auf Leben und Tod.

die Liebenden auf Metallgerüst, Projektion von Sternenhimmel
Gemälde 'Das große Jüngste Gericht' im Ballsaal 'Monte Christos'
'Der Graf von Monte Christo' vor Projektion Roms
Projektion: Himmel über dem Meer (Piratenszene)

Ästhetik und Funktionalität auf der Bühne

Gemeinsam mit Bühnenbildner Allen Moyer, Kostümdesignerin Susanne Hubrich, Lichtdesigner Michael Grundner und den lebendigen Projektionen von fettFilm setzen Andreas Gergen und Choreographin Melissa King die Geschichte von 'Edmond Dantès'/'Der Graf von Monte Christo' in Szene.

Ein gestaltetes Portal umrahmt die schräge Bühne mit 9% Anstieg. Flankiert wird sie von zwei fahrenden metallenen Aufbauten, die von der Kaimauer, über Bug und Heck eines Schiffes, bis hin zu den Katakomben verschiedene Begrenzungen des Raumes darstellen. Sie bieten zugleich eine Plattform für die großen exponierten Soli von Thomas Borchert sowie die Duette mit Sophie Berner und erheben die Figuren innerhalb einer Szene über das Geschehen. Dadurch, dass insbesondere Edmond Dantès und Mercédès, aber auch Fernand Mondego, die Treppe im Inneren hinaufsteigen, gewinnt der Szenenablauf an Lebendigkeit und die Metall-Wagen werden harmonisch in das Bühnenbild integriert. Diese Harmonie in Allen Moyers Bühnenbild wird durch die Arbeit des Lichtdesigners Michael Grundner und die bedeutsamen Projektionen von fettFilm ergänzt. Durch Einsatz eines Rücklichts bzw. Gegenlichts steigert Michael Grundner die Wirkung des Auftritts einzelner Figuren. Passend zum eingeblendeten Text, laut dem Napoleon Europa in Angst und Schrecken versetzt, erscheint sein Schatten riesig, bevor der kleine Mann mit seinen Bewachern aus dem Hintergrund tritt. Auch für Dantès Schicksal spielt Napoleon eine entscheidende Rolle. Im zweiten Akt ist es die große Silhouette des 'Graf von Monte Christo', die drohend im Gemälde vom Jüngsten Gericht auftaucht, bevor er selbst wie von Zauberhand im Vordergrund erscheint, um die Ballgäste zu begrüßen.

Eindrucksvolle Projektionen im oberen Drittel der Hinterbühne lassen den Sternenhimmel über Marseille lebendig werden, das Colosseum von Rom oder die Hafenanlagen mit dem Châuteau d’If. Neben diesen Projektionen, die Schauplätze des Geschehens zeigen, unterstützen andere die Aussage und Emotionalität einer Szene. Es sind die Augen des Grafen von Monte Christo, die das Verderben der Gegner beobachten, bevor das Feuer seiner Rache den vermeintlichen Gewinn in den Truhen der Geldgierigen verbrennt. Aus den Schatzkisten im Gewölbe von Monte Christo dagegen leuchtet das Gold durch farbiges Anstrahlen des Nebels. Auch die Felswände des Tunnels, der Edmond Dantès und Abbé Faria in die Freiheit bringen soll, werden angestrahlt, um die Grabung durch den Felsen zu visualisieren; denn in St. Gallen finden die Gefängnisszenen auf der Bühne statt. Gemeinsam mit Bühnenbildner Allen Moyer hat Andreas Gergen eine Möglichkeit gefunden, die Grabungsarbeiten in Szene zu setzen. Die Bodenklappen stellen nicht nur Falltüren dar, die imaginäre Zellenräume verbinden, sondern die Tunnelgrabung wird zugleich schlicht und wirkungsvoll dargestellt. Nacheinander werden breite Bodenklappen nach oben geöffnet, die am Deckel mit Felsstruktur verkleidet sind. Beim Beben im Tunnel, das den alten Freund das Leben kostet, fallen die Bodenklappen einfach mit großem Krachen zu. Besonders eindrucksvolle Elemente unter den wenigen Requisiten bilden der Spiegel in der 'Tarantella'-Szene und das Gemälde 'Das große jüngste Gericht' von Peter Paul Rubens, das programmatisch im Herrenhaus 'Monte Christos' steht.

die verbindende Farbe 'Rot': 'Mercédes und
'Der Graf von Monte Christo'

Zu dem Kreativteam gehört auch Susanne Hubrich, die mit ihren Kostümen die Geschichte begleitet. Die Kleidung von Mercédès und Edmond spiegelt ihren Stand wieder. Schlicht, geschmackvoll und dem Leben der jungen Katalanin angepasst, ist das weiße Kleid, in dem Sophie Berner wie die griechische Göttin Aphrodite aussieht. Als wir Mercédès im Leben des Grafen von Monte Christo wiedersehen, hat sie eine strenge Frisur und ist deutlich als Dame der Gesellschaft erkennbar. Edmond trägt anfangs die Kleidung eines jungen Seemanns, Segelhosen und eine kurze Jacke. Als 'Graf von Monte Christo' kleidet er sich seinem Adelsstand angemessen, seine langen Mäntel zeichnen sich aber durch besondere Schlichtheit und wenige charakteristische Details aus. Susanne Hubrich lenkt den Blick durch ihr Kostümdesgin auch auf die Beziehung von Figuren. So trägt Mercédès auf dem Ball des Grafen als Einzige ein rotes prächtiges Kleid, das sie wie den Grafen von Monte Christo auch, der einen roten Mantel trägt, aus der Ballgesellschaft heraushebt. Die Farbe Rot weist auf ihre Verbundenheit hin.

Thomas Borchert als 'Edmond Dantès' (r.)

Zentrale Charaktere

Thomas Borchert spielt die Doppelrolle von 'Edmond Dantès' und 'Der Graf von Monte Christo'. Wie einst in 'Jekyll & Hyde' hat er die Aufgabe, zwei Charaktere auf die Bühne zu bringen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch eng miteinander verbunden sind. Sowohl als 'Edmond Dantès' als auch als 'Der Graf von Monte Christo' bewältigt der Darsteller scheinbar mühelos seine großen Soli und Duette, in denen ihm seine 'Mercédès' (Sophie Berner) eine ebenbürtige Partnerin ist. Die großen emotionalen Lieder scheinen nicht nur wie für seine Stimme gemacht; Frank Wildhorn hat sie explizit für Thomas Borcherts Stimme geschrieben. Er gibt seinen beiden Rollen auch gesanglich ein unterschiedliches Profil. In seiner Stimme hört man zunächst den jungen unbeschwert glücklichen Edmond Dantès, später die Ironie und Bitterheit des Grafen von Monte Christo. Schauspielerisch gelingt es dem Künstler, ganz in die Geschichte einzutauchen. Er nimmt sein Publikum mit und führt ihm beeindruckend vor Augen, warum aus 'Edmond Dantès' 'Der Graf von Monte Christo' wird. Der Schluss zeigt auch den neuen Menschen, der weder der alte Dantès ist, noch Monte Christo. Überzeugend stellt Thomas Borchert dar, dass das Gefängnis aus Edmond noch nicht den verbitterten Rächer Monte Christo macht, auch wenn der junge Mann an seinem unschuldigen Leiden fast zerbricht: 'Jeden Tag ein kleiner Tod'. Erst, als er glauben muss, dass er nicht nur von Mondego, Danglars und Villefort verraten wurde, sondern auch von Mercèdès, stirbt Dantès in ihm. Allein der Glaube an ihre Treue und ewige Liebe hatte ihn bisher aufrecht erhalten.

Sophie Berner als 'Mercédès'

Die Rolle der 'Mercédès' gewinnt durch die Erzählweise des Stückes und das begeisternde Spiel Sophie Berners an Größe. Die junge Darstellerin nutzt alle Möglichkeiten, den Wandel auch ihrer Figur herauszuarbeiten. Zunächst leidet sie wie Dantès daran, nicht zu wissen, warum ihr der Mann genommen wurde, dann ist sie in einer unglücklichen Ehe gefangen. Durch all diese Zeit, hält sie an ihrer Liebe zu Edmond Dantès fest. Sophie Berner zeigt Mercédès als starke Frau, die sich selbst dem unbarmherzigen Rächer Monte Christo entgegenstellt, um ihren Sohn zu retten. Als Sängerin verfügt Sophie Berner über eine große Oktavenbreite und ein tiefes Timbre, so dass selbst in den kraftvollen, stark gebelteten Phrasen der Stimme viel Wärme erhalten bleibt. Bei den Duetten mit Thomas Borchert kann man nur von gesanglicher Harmonie sprechen.

Carsten Lepper spielt 'Edmond Dantès' Hauptgegner 'Fernand Mondego'. Stillschweigend sieht dieser zu, wie Edmond ins Gefängnis geworfen wird und nutzt seine Abwesenheit, um Mercédès den Hof zu machen. Sehr überzeugend und mit großer Spielfreude gibt Carsten Lepper den selbstverliebten Fiesling. Das Abstoßende der Figur liegt oft nur in der Färbung der Stimme oder einer langgezogenen Silbe. Anfangs spricht Mondego Mercédès noch Trost zu, bis er es in seiner Eitelkeit nicht mehr ertragen kann, dass sie nur an Edmond denkt und ihr verlorenes Glück beweint.

Geldgier bringt das Verderben
Kampfszene mit Thomas Borchert und Carsten Lepper

Da zieht er mit einer Lüge einen Schlussstrich unter das Vergangene und bewegt sie zur Heirat. Fernand Mondego wird von Kostümbilderin Susanne Hubrich als das ausgestattet, was er ist, ein geckenhafter Mann, der immer mit der neuesten Mode geht und sich im Leben alles Schöne mit Geld kauft, solange er es hat. Deshalb ist Mondego auch immer begierig nach Reichtum, der ihm seinen Lebensstandart ermöglicht, und fällt auf Monte Christos Falle herein. Am Ende fordert er Edmond Dantès aus Zorn darüber zum Duell, dass er alles verlor und Mercédès ihn verlassen hat. Er kann es nicht ertragen, als Trottel dazustehen.

In dieser Szene zeigt Jochen Schmidtkes (Fight Director) wahnsinnig schnell ausgeführte Fechtchoreographie Fernand Mondego als wütenden Angreifer. Er schlägt mit Gewalt zu, während Edmond Dantès der elegante Fechter ist, der sich eher verteidigt. Zu diesem Zeitpunkt will Dantès nicht mehr töten, selbst wenn Mondego sein Erzfeind ist. Die Zeit der Rache ist vorbei. Die beeindruckenden Kampfchoreographien von Jochen Schmidtke und Melissa King dienen im Musical nicht einfach der Unterhaltung, was sie natürlich auch tun – sie erfüllen in der Geschichte eine tragende Funktion: Der Messerkampf verschafft Dantès Anerkennung und einen treuen Freund, der für das Leben des Grafen von Monte Christo wichtig wird. Das erste Gefecht in den Katakomben von Rom gehört wesentlich zur Simulation der Entführung Alberts. Es lässt Monte Christo als Retter auftreten und öffnet ihm die Türen der Pariser Gesellschaft. Nur als gelehriger Schüler des unerbittlichen Mentors Abbé Faria besteht Dantès am Ende im erzwungenen Duell gegen Fernand Mondego. Carsten Lepper beweist in 'Der Graf von Monte Christo' einmal mehr, dass er zugleich ein intelligenter Schauspieler und Sänger ist. Seine Stimme prägt sich ein, ob er nun mit den anderen Verschwörern Pläne schmiedet oder Mercédès überzogene Liebesschwüre sagt, aber ebenso, wenn er sich im Duell mit Thomas Borchert auch verbal schlägt.

Dean Welterlen als 'Abbé Faria' (l.)
Kurt Schrepfer als 'Jacopo' (r.) im Messerkampf

Eine erfrischend tragischkomische Rolle hat Dean Welterlen, der aus dem exzellenten Ensemble der Produktion heraus sticht. Mit der skurrilen Komik des 'Abbé Faria' spielt er gegen die Dramatik der Gefängnisszenen an und wirkt gleichzeitig liebenswert durch dessen einzigartige Mischung aus großem Wissen und Zerstreutheit. In dem großen Duett 'Könige' zeigt Dean Welterlen, dass er sich auch gesanglich nicht vor seinen Kollegen zu verstecken braucht.

Das Ensemble von 'Der Graf von Monte Christo' ist bis in die kleineren Rollen groß besetzt. Karim Khawatmi und Christoph Goetten spielen die beiden anderen Gegner von Edmond Dantès, die Jeder ihren eigenen Grund haben, Dantès unschuldig im Gefängnis zu sehen. Die unterschiedlichen Beweggründe von 'Danglars' und 'Villefort' hätten im zweiten Akt etwas klarer herausgestellt werden können, ebenso das Schicksal von Moniseur 'Morel', dem guten Reeder, gespielt von André Bauer, dem Monte Christo als Einzigem Wohltaten erweist. Alle erfüllen ihre Rollenprofile gut und überzeugen gesanglich. Sehr gut gecastet sind auch der junge Schweizer Daniel Berini in der Rolle des gutgläubigen draufgängerischen 'Albert' und Barbara Obermeier als 'Valentine'. Barbara Obermeier passt mit ihrem glockenklaren Sopran wunderbar in die Rolle der 'Valentine' und deren Solo 'Schöner Schein'. In ihrem mutigen Auftritt als Verlobte Alberts kann sie auch schauspielerisch überzeugen. Gesanglich und tänzerisch beeindruckt Ava Brennan, die in die Figur der Piratin 'Louisa Vampa' tritt. Herausragendes Schauspiel zeigt Kurt Schrepfer, der Monte Christos treuen Vertrauten 'Jacopo' verkörpert.

Einen wichtigen Part in 'Der Graf von Monte Christo' spielt auch der Chor des Theaters St. Gallen, der mit schönen Stimmen, aber auch schauspielerischem und tänzerischem Können überzeugt und das Musical-Ensemble aufs Beste ergänzt.

St. Gallen kann sich sehen lassen. Frank Wildhorn und Jack Murphys 'Der Graf von Monte Christo' in der Inszenierung von Andreas Gergen besticht durch die Ästhetik und Funktionaliät des Bühnenbildes. Die musikalische und dramatische Erzählweise zieht mit großer Musik in eine große Geschichte, deren Motive zeitlos sind. Es passt einfach alles zusammen.

(Barbara Kern)

 

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Theater St. Gallen / Fotografen: Toni Küng und Hanspeter Schiess